Autor: Silke Türck

#SATW – Sewing Around The World / Gastbeitrag von Bianca über den Coatigan Silvia

Heute möchte ich dir Bianca vom Blog “Sleepless in Bavaria” vorstellen. Vielleicht ist dir Bianca schon bekannt, denn man kann sie und ihre tollen Nähprojekte regelmäßig auf Instagram bewundern und auch ihr Blog, in dem sie über ihre Nähleidenschaft auf Deutsch und Englisch schreibt, wird regelmäßig von ihr mit wunderbaren selbst genähten Klamotten gefüllt.

Sewing Around The World

Ich freue mich sehr, daß sich Bianca im Rahmen der “Sewing Around The World Tour” einen Schnitt von schnittchen patterns ausgesucht und genäht hat. Dazu hat sie einen Gastbeitrag für den schnittchen Blog geschrieben und ein paar tolle Fotos von ihrem Coatigan Silvia gemacht.

Wenn Du noch mehr fertige Silvias sehen möchtest, dann schau doch auch mal in unserem Silvia-Pinterest-Board. Hier haben wir einige Kreationen für dich zusammengestellt.

Gastbeitrag von Bianca @Sleepless in Bavaria

Guten Morgen ihr Lieben und Hallo aus Oberbayern! Mein Name ist Bianca und ich blogge sonst bei www.sleeplessinbavaria.com. Heute habe ich das große Glück für Silke, auf den Schnittchen-Patterns Blog einen Beitrag zu erstellen. Als Silke mich am Anfang des Jahres gefragt hat, ob ich dazu Lust hätte habe ich SOFORT Ja gesagt.

Ich habe auch gleich gesagt, dass ich eine Jacke oder einen Mantel nähen möchte und im Herbst meinen Beitrag einreichen wollte. Und nun ist der Herbst da und ich darf euch meinen neuen Coatigan zeigen!

Genäht habe ich Silvia, dieser Coatigan ist mein allerliebster Übergangs-Jacken-Schnitt, da es nun schon das dritte Mal ist, das ich ihn vernähe. Ich habe einem Wollstoff gewählt , den ich schon mindestens seit 3 Jahren in meinem Lager habe und einen einfachen Futterstoff, denn ich wahrscheinlich genauso lange besitze.

Ich habe mir die Mühe gemacht alle Schnittteile aus dem Mantelstoff mit einer Vlieseline zu bebügeln, die für Mantelstoffe geeignet ist, damit der Coatigan etwas mehr stand hat und nicht zerknittert, wenn ich ihn auf die Rückbank in meinem Auto werfe. Den Saum für die Ärmel, die Belege und die Vorder- und Rückteile  habe ich dann zusätzlich mit einer etwas festeren Vlieseline bebügelt und anschließend nach innen geschlagen und noch einmal gebügelt.

Damit macht man sich auch das Leben etwas leichter wenn am im letzten Schritt den ganzen Mantel verstürzt und alles sieht dann super ordentlich und professionell aus! Da ich eigentlich vorhabe, diesen Coatigan zu tragen, bis der Schnee einsetzt, (hoffentlich erst im Februar!!) habe ich mir gedacht, ich würden den Mantel mit einer Fleece Decke füttern. Das ist ziemlich schnell und einfach zu machen: Fleece Decke beim Kik kaufen, alle Futterteile aus der Fleece Decke zuschneiden, dann genau wie den Futtermantel zusammen nähen und anschließend den Fleecemantel über den Futtermantel stülpen und genauso an den Beleg nähen. Fertig ist deine neue super warme Jacke =)

Ich habe meine neue Silvia jetzt JEDEN TAG getragen, seitdem ich sie fertig gestellt habe. Als kleines I-Tüpfelchen habe mir aus Mantel Stoffresten einen dazu passenden Gürtel genäht, wobei ich sagen muss,  ich finde der Coatigan sieht auch ohne Gürtel sehr schick aus.

Solltest du also noch am  Überlegen sein,  welchen Mantel du dir dieses Jahr nähst, kann ich dir den Silvia Coatigan vom Herzen empfehlen, der Mantel ist sehr schnell zusammengestellt und sieht in jedem Stoff schick aus.

Ida Top Freebie – Revival

Als ich gestern in der Früh auf Instagram ein Bild von Lara von 1000 Stoff mit dem Top Ida gesehen habe, konnte ich es ja kaum glauben! Diesen Schnitt hatte ich 2010 (!) als kostenlosen Download in einer Ostersuchaktion im Blog versteckt und nun war er durch mittlerweile doch einige Überarbeitungen der schnittchen Seite verloren gegangen … und irgendwie hatte ich ihn auch gar nicht mehr auf dem Schirm.

Der Post von Lara gestern hat mir aber gezeigt, daß es doch ein ziemlich zeitloses Teil ist. Deswegen hier ein Top Ida Freebie Revival – du musst diesmal noch nicht mal suchen: das Schnittmuster gibt es für “umme” mit einem Klick als kostenlosen Download:

>> Kostenloses Schnittmuster Top Ida

Die Fotos hat mir liebenswerter Weise Lara von 1000 Stoff zur Verfügung gestellt. Sie hat das Top Ida aus einem Leinenjersey genäht. Bei Lara im Shop kannst du übrigens viele verschiedene tolle Jerseyqualitäten finden, die perfekt für ein Top Ida sind!

Viel Spaß beim Nähen und ein schönes Wochenende!

Rosie von “DIYCouture” über Schnittmuster und die Ethik der Vivienne Westwood

>> in English


+++ Wenn du den Denim von Thread International und einen Papierschnitt von dem neuen Schnittmuster Jacke Holly gewinnen willst, dann scroll bis zum Ende dieses Post. Aber bitte zuerst lesen…! +++

NACHTRAG: Denim von Thread International und einen Papierschnitt von dem neuen Schnittmuster Jacke Holly hat Bele gewonnen! Herzlichen Glückwunsch!


Heute ist schon der letzte Tag der Fashion Revolution Week und heute endet auch unsere Fashion Revolution Week Blogtour mit einem – wie man in Bayern sagt – “Schmankerl”, d.h. einem Leckerbissen.

Ich freue mich sehr, daß Rosie Martin von DIYCouture die Nähbloggerrunde bestehend aus Ulrike von Moritzwerk, Zoe vom Blog So, Zo… und Portia von Makery abrundet.

Auch Rosie habe ich wieder ein paar Fragen zum Thema Nähen und Nachhaltigkeit gestellt und wieder so spannende Antworten bekommen, daß ich mich eigentlich am liebsten mit ihr heute Nachmittag auf einen Kaffee (oder Tee) treffen, und weiter diskutieren würde…

Interview mit Rosie von DIY Couture

 

Liebe Rosie, kannst du uns zuerst etwas über dich erzählen? Wo lebst du, was ist dein Beruf und was war deine Motivation, Teil der DIY-Bewegung zu werden?

Hallo! Ich lebe im sehr fernen Osten Londons. Ich arbeite für eine große Wohltätigkeitsorganisation, die alle möglichen Dinge tut, um blinden und sehbehinderten Menschen bei den Herausforderungen in der Gesellschaft zu helfen. Ich spiele Schlagzeug und manchmal andere Instrumente und natürlich nähe ich gerne. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich entschieden habe, Teil der DIY-Bewegung zu werden, es ist einfach etwas, das zu mir und meiner Art passt!

Mir hat es immer sehr viel Spaß gemacht etwas selber zu machen und in den 90ern bekam ich als Teenager das absolute Nähfieber. Mein Freund hat mir ein paar Anleitungen für eine Hose runtergeschriebn – und so habe ich angefangen selber zu nähen auf eine stark „Mach-es-selbst“.

Und dann bin ich älter geworden und habe mich immer mehr auf die „anarchistische“ Seite der Dinge geschlagen. Ich boykottierte unethische Unternehmen, beteiligte mich an direkten Aktionsprotesten, nahm einen “opting out” – Ansatz an und lebte abgekoppelt in einem Lieferwagen und versuchte es eine Existenz zu erreichen, die frei und abgelöst von dem kapitalistischen Standardmodell war. Ich muss sagen, daß ich es nicht geschafft habe diesem sehr wachen Ansatz meiner Lebensweise treu zu bleiben und lebe heute lange nicht mehr so radikal wie damals.

Bis jetzt hast du zwei Bücher veröffentlicht. Eins heißt “DIY Couture” und das neueste “No patterns needed”. Mit beiden Büchern bietest Du “eine Reihe von einfachen, illustrierten Anleitungen, die es den Lesern ermöglichen, Kleidungsstücke selbst zu machen” anstatt sie zu kaufen. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

So, meine ersten Näherfahrungen waren ohne Schnittmuster und ich habe es total geliebt fähig zu sein meine eigenen Kleider zu machen. Ich habe so viele Leute getroffen, die mir gesagt haben, dass sie gerne ihre eigenen Klamotten machen würden, aber sie waren der Meinung, dass es jenseits ihrer Möglichkeiten lag. Ich wusste, dass das nicht der Fall war. Zu dieser Zeit waren Schnittmuster eigentlich das einzige verfügbare Werkzeug, um Kleidungsstücke selber zu machen, aber Schnittmuster haben für viele einfache Konstruktionsprozesse mit verwirrend komplexen und kaum bebilderten Anleitungen nicht durchschaubar gemacht. Wenn ich nicht von einer Nähfreundin mit handschriftlichen Anmerkungen an den Anleitungen dazu ermutigt worden wäre, hätte ich wahrscheinlich aufgeben, wenn man mir ein Schnittmuster vorgelegt hätte.

Ich war so leidenschaftlich und wollte anderen Leuten helfen, ihre eigenen Kleider zu konstruieren, also schien das Erstellen einfacher, visueller Anweisungen wie ein neuer Weg! Ich habe tatsächlich 3 kurze Anleitungen als Booklet selbst gedruckt und herausgegeben, bevor die zwei Bücher erschienen sind. Ich nannte dieses Projekt “DIYcouture”.

Bereits vor einigen Jahren im Jahr 2012 ermutigte Vivienne Westwood ihre Kunden während einer Modenschau, keine Kleidung zu kaufen. Genauer gesagt sagte sie: “Natürlich versuche ich nicht zu verschwenden und meine Art zu verschwenden ist, sich auf die Qualität zu konzentrieren, nicht auf die Quantität. Und du kennst meine Botschaft, es ist kaufe weniger, wähle gut, und mach es lange haltbar. Noch besser ist, kauf nichts, kaufe solange keine Kleider bis du wirklich musst “
Könnte es sein, dass Vivienne Westwood deine Seelenverwandte ist und was denkst du über Quantität und Qualität in Bezug auf Kleidung?

Ha ha ha, ich liebe diese Frage! Ich habe diese Sache mit Vivienne Westwood … Ich finde ihre Politik extrem problematisch. Gleich zu Beginn der DIYcouture habe ich ein Video gedreht, bei dem es so aussah, als würde ich eine ihrer Jacken in einem Lift bei Selfridges (Kaufhaus) zerschneiden!

Es ist so einfach für eine reiche Berühmtheit, die teure Kleidung verkauft, Leute darüber zu belehren, “gut zu wählen.” Genauso wie sie sich selbst als “Punk” bezeichnete, ohne wirklich einen Punk-Ansatz zu haben, hat sie sich selbst als “ethisch korrekt” definiert obwohl ihre Firma Praktikanten keine Gehalt zahlt und keine ökologischen Grundlinien einhält um die Auswirkungen ihrer Tätigkeiten zu begrenzen. Außerdem  erwähnt sie nirgendwo, dass sie den Produzenten ihrer Kleidungsstücke einen fairen Lohn und eine Prämie bezahlt.

Ich finde, wenn sie andere Leute belehrt, aber 100 Pfund für ein T-Shirt verlangt für dessen Produktion der Arbeiter wahrscheinlich weniger als 1 Dollar verdient ist das definitiv fehlendes Bewußtsein.

Ich glaube fest daran, dass “Quantität” destruktiv ist. Dies ist ein Modell, das wir geschaffen und eingeführt haben, in dem die Produktion schnell ist und der “Erfolg” der Unternehmen auf immer mehr Konsum angewiesen ist. Das alles dann zu Lasten der Produzenten und der Umwelt.

Ein Fokus auf Qualität statt auf Quantität könnte ein Teil der Herausforderung. Ich finde es eine Schande, dass jemand wie Vivienne Westwood, der die Macht hat, Veränderungen für viele Menschen in ihrem eigenen Geschäft zu beeinflussen, stattdessen einen so oberflächlichen Ansatz wählt, und nur davon spricht, ethisch korrekt zu handeln zu sein, ohne diese Werte in der Praxis wirklich zu leben.

Wo kaufst du deine Klamotten? Oder machst du die meisten deiner Kleidungsstücke selbst?

Ich mache die meisten meiner Kleider selbst, obwohl ich immer noch Jeans kaufe, meistens von Second Hand Läden oder aus der Altkleidersammlung. Ich bin jedoch überhaupt kein ethischer Engel. Ich kaufe meine Schuhe und Unterwäsche von einem ganz normalen Laden in der Einkaufsstraße. Ich muss sagen, dass ich mitschuldig bin, wenn ich Firmen Geld gebe, die ihre Arbeiter nicht wertschätzen. Vielleicht haben ich und Vivienne mehr gemeinsam, als ich gerne denke!

Auf deiner Website nennst du die DIY-Bewegung eine langsame Revolution und definierst sie als Antithese zu Fast-Fashion. Was denkst du andererseits – über soziale Medien, die DIE Stimme für die DIY-Bewegung und alle Selbermacher geworden sind? Großartig einerseits, aber auch sehr schnell, virtuell und voll geschönter Inhalte andererseits. Verstößt das nicht gegen die “langsame” DIY-Revolution?

Hmmm interessante Frage! Persönlich liebe ich Technik, und ich denke nicht unbedingt, dass “langsam” positiv und “schnell” negativ ist – es kommt lediglich darauf an, worum es geht du. Ich denke, eine der revolutionären Kräfte des Nähens ist, dass du von Grund auf erlebst, was alles nötig ist um ein Kleidungsstück herzustellen  – etwas, das oft verborgen ist. Das wird dann zu etwas, worüber du sprichst, und ich denke, Diskussionen sind ein wichtiger Teil, um den Status Quo in Frage zu stellen.

Daher sehe ich Social Media als wertvoll vor allem in dieser Diskussion. Wir alle teilen unsere komplexen Gedanken darüber, wie sich das Nähen zu der Fashion Revolution verhält, und darüber, ob unser Ansatz, eigene Kleider herzustellen, als “ethisch” oder sogar “langsam” betrachtet werden kann. Dieser Austausch kann also transformativ sein.

Auf der anderen Seite denke ich aber, dass unsere Emotionen tief mit dem kapitalistischen Modell verbunden sind. Der Kapitalismus lässt uns oft klein fühlen, so wie idealisierte Lebensstile Teil des Branding sind, und wir uns dann oft dem Konsum zu, um uns besser zu fühlen.

Es ist interessant darüber nachzudenken, wie Social Media dazu passen – wann Menschen sich austauschen und ab wann es ungesund wird und die Psyche beeinflusst weil ein ständiger Vergleich der Lebensstile stattfindet.

Ich weiß nicht, ob das diese Antworten diese Frage überhaupt beantworten!

Besonders an deinem Instagram-Account mag ich deine unprätentiösen, “straight-ahead”, NICHT geschönten und manchmal auch melancholischen Schnappschüsse. Was möchtest du mit den Social-Media-Kanälen vermitteln, die du verwendest und was ist Dein Favorit?

Gut, danke! Ich muss sagen, ich habe nicht die Absicht, etwas Bestimmtes zu vermitteln! Ich bin irgendwie von Twitter abgekommen, da ich im Grunde zu vielen Leuten gefolgt bin und mein Feed bedeutungslos geworden ist. Also ist Instagram mein Hauptkanal und ich genieße es Teil der Instagram Nähgemeinschaft zu sein.

Ich liebe es, Fotos zu machen, und ich denke, ich poste einfach Bilder von Dingen, auf die ich stoße, die ich mag – oft Gebäude und Landschaften (weil ich die Welt liebe!) sowie von dem, was ich mache. Vielleicht sehen meine Fotos melancholisch aus, weil ich nicht dazu tendiere, Menschen einzubeziehen? Ich versuche normalerweise, Leute zu meiden, weil ich finde, es ist ein bisschen unhöflich ist, Leute zu fotografieren! Ha ha!

Ich würde wirklich gerne wissen, wer dein Lieblingsmodedesigner ist? Kannst du erklären warum?

Ich bin da ziemlich unloyal, wenn es um Modedesigner geht – ich mag verschiedene Designs von Leuten zu verschiedenen Zeiten.
Ich finde Catwalk-Mode sehr inspirierend, aber ich lege mich da nicht fest. Ein paar Favoriten sind vielleicht Kenzo, MSGM, Miu Miu und Prada.

Ich denke, das sind alles ziemlich kühne, zukunftsorientierte Marken. Ich finde Prada immer auf dem neuesten Stand und inspirierend, sowohl in der Kleidung, die sie machen, als auch in der Art, wie sie sie in Fotos präsentieren.

Ihre Fotos haben in letzter Zeit so viel Spaß gemacht und viele Gruppen von Menschen miteingeschlossen, die in vielerlei Hinsicht verschieden sind – einschließlich Älterer.

Ich denke, dass ich mich zu Designern hingezogen fühle, die Farbe und Druck auf interessante Weise nutzen und Modedesign in innovative Richtungen bringen.

Und last but not least: Was wünschst Du Dir für die Textilindustrie, die immer noch zu einer der schmutzigsten gehört, mit oft schlimmen Bedingungen für die Arbeiter und einer schrecklichen Belastung für die Umwelt?

Wow, nun, das Wort “Wunsch” lässt vermuten, dass ich hier voll und ganz auf eine Traumwelt eingehen kann!

Ich würde mir wünschen, eine ethische korrekte Produktion wäre keine Nische, sondern eine Grundhaltung, auf dem global alles fusst. Der Traum wäre, dass die gesamte Textilherstellung so abläuft, dass Wasserquellen nicht austrocknen, sie nicht mit Chemikalien verschmutzt werden oder Menschen lebenslang krank machen oder diese sich kaum etwas leisten können.

Dies würde einen Ansatz erfordern, davon ausgehend die tatsächlichen Kosten für die Endprodukte zu berechnen und den Gewinn über die gesamte Lieferkette hinweg auszugleichen.

Mit Technologien, Respekt für die Umwelt und einem neuen (langsamen!) Ansatz für Arbeit und Wohlstand glaube ich, dass wir diesen hehren Zustand der Existenz erreichen können!

Aber wir sind so weit davon entfernt, nicht wahr? Das kann ziemlich überwältigend sein…

Liebe Rosie, vielen Dank auch an Dich für den Exkurs in Deine Vergangenheit, Deine Gedankenwelt und für Deine Statements. Deine Wünsche für die Zukunft der textilverarbeitenden Industrie ist ein wunderbarer Abschluss dieser Blogtour.

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Den 25% Gutschein von True Fabrics hat Celine gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!


Die Fashion Revolution Blogtour haben wir mit einem neuen Schnittmuster begonnen und möchten sie auch mit einem neuen Schnittmuster beenden. Ganz neu und frisch heute im Shop – das Schnittmuster Jacke Holly mit einer ausführlichen Videonähanleitung, die in unserem schnittchen patterns You Tube Channel für Dich bereit steht.

Die hier gezeigt Variante mit dem spitzen Kragen habe ich mit einem tollen Denim von Thread International genäht. Thread International hat ein wunderbares Projekt auf die Beine gestellt und Stoff aus alten Plastikflaschen hergestellt. So auch dieser Denim…

Thread International vertreibt keine Stoffe mehr, sondern hat es anderes mit den Stoffen vor… Wenn es Dich interessiert, dann geh auf ihre Seite und trage Dich beim Newsletter ein!

Ich darf aber heute zum Abschluss dieser tollen Woche 2 m von dem tollen Denim verlosen, denn ein bisschen hatten sie noch auf Lager.

Wer also eine Holly aus Denim nähen möchte, der kann einen Papierschnitt und den Denim hier gewinnen. Bitte bis morgen (30.4.) 24 Uhr unter dem Artikel einen Kommentar hinterlassen und mit ein bisschen Glück ist Holly-Paket dann deins! Viel Glück!

 

Fragen an Portia Lawrie über die “The Refashioners” Challenge und ihre Auswirkungen

>> in English

Im Rahmen der Fashion Revolution Blog habe ich schon auf die Näh-Challenge Me Made May von Zoe hingewiesen. Solche Challenges sind eine tolle Möglichkeit sich mit vielen anderen Hobbyschneiderinnen auszutauschen, das eigene Können unter Beweis zu stellen und ein großer Pool vielfältigster Inspirationen!

Auch Portia Lawrie – ich liebe einfach diesen Namen und kann ihn nicht genug schreiben – hat vor einigen Jahren solch eine Challenge ins Leben gerufen und veranstaltet seit 2011 regelmäßig “The Refashioners”. Wie der Name schon sagt, geht es darum nicht mehr angesagten Kleidern neues Leben einzuhauchen indem sie angepasst und verändert werden.

Ich finde dieses Projekt passt wunderbar zu unserer Fashion Revolution Week Blogtour und ich habe Portia deswegen ein paar Fragen zu “The Refashioners” und ihrem eigenen Verhältnis zu Kleidung gestellt.

Interview mit Portia vom Blog “Makery

 

Liebe Portia, bitte erzähl uns etwas über dich. Wo lebst du, was ist dein Beruf und wie bist du darauf gekommen einen DIY-Blog zu veröffentlichen?

Ich lebe in einem ländlichen Teil von Essex, wo ich in von einem Sommerhaus am Ende unseres Gartens aus arbeite, Kaffee trinke und Musik höre! Ich habe mit meinem Blog makery 2010 angefangen. Ursprünglich war er gedacht als ein persönlicher Blog, in erste Linie um meine Fortschritte im Nähen zu verfolgen. Aber es war schnell so eine Art Schneeballeffekt, genauso wie meine Leidenschaft zum Nähen. Und heute – arbeite ich in Teilzeit und schreibe für Online- und Printmedien in Sachen Nähen.

Seit 2013 organisierst du die “The Refashioners” Challenge. Im Grunde geht es darum, dass Blogger eingeladen werden, ein Kleidungsstück neu zu gestalten. Kannst du diese Herausforderung genauer erklären und uns sagen, was deine Absicht mit Refashioners war?

Die Absicht von “The Refashioners“, das ich 2011 zum ersten Mal veranstaltet habe, war und ist es, Hobbyschneiderinnen zu ermutigen, alte Kleider in einem neuen Licht zu sehen. Nicht einfach mehr Stoff kaufen, sondern alte und ungeliebte Kleidungsstücke als mögliche Stoffquelle betrachten UND die wunderbare, kreative Herausforderung entdecken, die sich aus der Umgestaltung ergibt. Ich hatte auch das Gefühl, dass das Umgestalten ein bisschen unter einem Imageproblem leidet. Ich wollte zeigen, dass es cool, kreativ, irgendwie augefallen und hip sein kann.

Also werfen wir jedes Jahr wieder den „Fehdehandschuh hin“ und fordern die Leute heraus, etwas Gewöhnliches in etwas Erstaunliches zu verwandeln. Wir starten “The Refashioners” indem wir einen Monat lang inspirierende Refashion-Projekte von einigen der bekanntesten Nähblogger zeigen. Dann fordern wir die ganze Nähcommunity für einen weiteren Monat zur Challenge heraus … und am Ende … lockt ein toller Preis für den Gewinner.

Bei „The Refashioners“ geht es nicht NUR um Nachhaltigkeit. Aber es ist tatsächlich ein großer Teil davon. Für einige Teilnehmer ist das Thema Nachhaltigkeit tatsächlich auch die Hauptmotivation daran teilzunehmen. Manche tun es wegen der kreativen Herausforderung und andere tun es, weil es irgendwie auch wirtschaftlich ist. Aber was auch immer die Motivation ist … „Refashioning“ ist ohne Frage “ganz oben”, wenn es um Nachhaltigkeit und „Slow Fashion“ geht.

Durch „The Refashioners“ hast Du ganz offensichtlich viele sehr kreative und faszinierende Leute kennengelernt. Kannst Du uns sagen was Dich am meisten beeindruckt hat?

Ha ha! Das kann ich beim besten Willen nicht beantworten, lol! So viele Projekte überfluten mich aus so vielen verschiedenen Gründen.

Ich liebe auf alle Fälle Projekte, die aufwendige Transformationen sind, aber ich liebe auch die ganz einfachen Veränderungen, die ebenso effektiv sein können. Es sind die unendlichen Möglichkeiten, die so aufregend sind. Aber ja … Ich habe – virtuell und persönlich– durch “The Refashioners” einige erstaunliche Leute kennengelernt. Mit der tollen Online-Näh-Community in Austausch zu kommen ist eine der vielen Dinge, die solche Herausforderungen wie “The Refashioners” und viele andere ähnlich geartete mit sich bringen.

Wie gehst du mit Kleidung im Allgemeinen um? Machst du die meisten deiner Kleidungsstücke selbst oder kaufst du nachhaltige und fair produzierte Kleidung? Wenn letzteres hast du da Favoriten?

Meine Garderobe ist eine Mischung aus handgefertigten, neuwertigen und Secondhand-Artikeln. Ich kaufe selten etwas Neues außer Schuhe, Taschen und Unterwäsche; – und ab einem gewissen Punkt werde ich mich wahrscheinlich auch an das anpacken.

Wenn also nicht von mir handgefertigt, sind meine Kleider in der Regel Second Hand aus einem Wohltätigkeitsladen. Initiativen wie FashRev haben mir die “Hintergrundgeschichte” von allem, was ich kaufe, viel bewusster gemacht. Es gibt Marken, die ich jetzt komplett vermeiden werde (sogar in Second Hand Läden). Der Grund dafür ist, dass ich denke, wenn die Label es sich leisten können, etwas so günstig zu verkaufen, dann werden dafür die Kosten irgendwo in der Lieferkette gesenkt. Irgendwer bezahlt hier, und ich – als Kundin – bin das augenscheinlich nicht.

Ich möchte nicht mehr dazu gehören. Ich möchte die Kleider dann lieber nicht haben, sie lieber selber machen oder gebe dann gerne aus, wo ich weiß, daß für den Hersteller ein sicheres Arbeitsumfeld gewährleistet ist und für seine Zeit und sein Können fair bezahlt wurde.

Als Selbermacher sollten wir diesen Teil viel mehr wertschätzen als die meisten anderen. Als Selbermacher … vielleicht ist die größerer Frage, der wir uns stellen sollten “Wer hat meinen Stoff gemacht?”…

Ich habe gesehen, dass Du als bester Instagram Accounts von Williamgee Haberdashy im Jahr 2018 gekürt wurdest. Was möchtest du über deinen Instagram-Account vermitteln und was bedeuten Social Media im Allgemeinen für dich?

Diese Auszeichnung zu erhalten war ein schönes Kompliment! Ich versuche nicht wirklich etwas Spezifisches in meinem IG Feed zu vermitteln. Ich denke, dass ich teile, was mir wichtig ist, das, was ich mag, und mit dem was ich poste auch das vermittele, was ich denke.

Ich würde sagen mein IG Feed ist eher eine Art Bewußtseinsstrom als eine spezifische und zielgerichtete “Nachricht”. Es ist mir wichtig, dass es visuell “fließt” – ich bin irgendwie so mit allem, was ich “mache”. Für mich geht es mehr um ein Gespräch und um Interaktion. Besonders IG ist mein Treffpunkt, wo ich diese Gespräche führen kann. Manchmal ist es ein einfach nur Geplänkel. Manchmal geht es ein bisschen tiefer.

Es geht auch nicht immer nur um Nähen. Manchmal habe ich überhaupt keine Lust nur abzuhängen. Dann möchte ich ein Teil aller Gespräche sein. Es ist wirklich eine soziale Sache für mich. Nähen kann eine einsame Angelegenheit sein und wenn du keine lokalen Freunde hast, die deine Leidenschaft teilen, sind Social Media eine großartige Möglichkeit, einen Austausch zu finden.

Die Fashion Revolution Week wurde im Gedenken an das Unglück der Rana-Plaza Fabrik ins Leben gerufen, die im Jahr 2013 1138 Menschen tötete und viele weitere verletzte. Denkst du, dass es eine Fashion Revolution gibt und wie denkst du kann vor allem bei jungen Menschen ein Bewusstsein dafür geschaffen werden nicht so viele und vor allem billige und schlecht produzierte Kleidungsstücke zu kaufen, sondern über Qualität und Nachhaltigkeit nachzudenken?

Es kommt absolut zu einer Revolution. Und lange soll sie weitergehen! Aber es geht um viel mehr als nur darum die Einstellung vieler Menschen zu ändern, wie sie Kleidung wertschätzen.

Der größte Faktor des Zusammenbruch des Rana-Plaza war das Geld. Kostensenkungen, um die Nachfrage nach billiger Kleidung zu decken. Aber die Nachfrage nach billiger Kleidung wird nicht nur durch Fast Fashion oder dem schnellen Konsum genährt. Das ist sicher die eine Seite der Medaille, ja.

Initiativen wie FashRev sind großartig, um das zu ändern. Aber es gibt eine andere, weniger anerkannte oder sagen wir weniger diskutierte Seiten der Medaille. Diese Industrie, also die textilverarbeitende Industrie, wird auch von der Armut bei uns gefüttert. Wenn Familien zwischen Heizen oder Essen wählen müssen, werden ethische Entscheidungen schwierig. Es ist einfach, eher ein ethisch hergestelltes T-Shirt für 80 Pfund zu kaufen als eins für 5 Pfund, wenn man das nötige Einkommen dafür hat. Aber wenn man kurz davor steht, daß einem der Strom abgestellt wird dann wäre es wahrscheinlich besser die 80 Pfund für die Stromrechnung auszugeben und die 5 Pfund für das Hemd aus dem Supermarkt.

Du erwähnst speziell junge Menschen. Ich denke, junge Menschen sind wahrscheinlich die am besten informiertesten und sozialbewusstesten von uns allen. Sie kaufen die billigen Klamotten zum Teil, weil sie sich nur das leisten können, und zum Teil, weil sie mit neuen Trends mithalten wollen.

Es wird immer eine Nachfrage nach billiger Kleidung geben, solange es Menschen gibt, die sich keine ethischen Alternativen leisten können. Wenn wir weiterhin daran arbeiten das Stigma, das mit Secondhand-Kleidung verbunden ist, zu beseitigen und es als ethische Option anerkennen würdern; eine weitere ethische Option wäre, Menschen weiterhin dazu zu ermutigen, Fähigkeiten wie das Ausbessern oder Selbermachen von Kleidung zu erlernen. Das wird dazu beitragen, dass die am unteren Ende der Einkommensskala stehenden Personen (einschließlich der jungen Menschen) ethischere Entscheidungen treffen können.

Die Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Arbeiter in der Bekleidungsindustrie sind von entscheidender Bedeutung. Aber wenn die Bedingungen, die die Nachfrage nach billiger Kleidung erzeugen, immer noch zu Hause liegen, werden wir die Quelle des Problems nicht vollständig lösen. Einstellungen und Bewusstsein sind nur eine Teil der Geschichte. Im Moment befinden wir uns in einem weiteren Teufelskreis von Armut, die Armut verursacht, und das ist ein großes gesellschaftspolitisches Problem.

Glaubst du, dass es in der Nähcommunity ein wachsendes Bewusstsein gibt? Daß Leute anfangen zu nähen, weil sie nicht eine Industrie unterstützen wollen, die für ihre unfairen Arbeitsbedingungen und schlimmen Auswirkungen auf die Umwelt bekannt sind?

Ganz sicher. Ich denke, viele Leute nähen aus diesem Grund. Aber Vorsicht! Die Stoffherstellung kann genauso ausbeuterisch sein wie die Herstellung von Bekleidun!. Es ist genauso leicht, sich als Selbermacher in diesem ausbeuterischen Kreislauf zu verfangen, wenn man sich nicht bewusst sind, was man kauft. Indem man z.B. zu viel oder zu verschwenderisch Stoff kauft oder eben billig produzierten Stoff.

Meiner Meinung nach ist es ist ethisch oder ökologisch dann nicht besser als Fast Fashion. Ich würde sagen “Kaufe weniger …. aber kaufe gut. Mach weniger … aber mach es gut”.

Wäre es nicht toll, “Refashioning” als Pflichtfach in der Schule zu haben?

Ich denke eine Wertschätzung für die Herstellung von Kleidung im Allgemeinen sollte an den Schulen Thema sein. Bringt das Handarbeiten oder einfach Textilien als Lehrplanfach zurück, sage ich !! Wenn man weiß, wie lange man braucht, um ein T-Shirt zu machen … weiß man einfach, wann Preis fair und wann er ausbeuterisch ist; und es wird einem dann em Ende nichts ausmachen, die Rechung zu bezahlen, selbst wenn man nicht seine Kleider selbst macht. Und abschließend denke ich, wenn man ein bisschen mehr bezahlt, wird man auch eher etwas wieder reparieren als es wegzuwerfen!

Liebe Portia, vielen Dank für dieses geradlinige Interview und dafür, daß Du uns Einsichten in Deine klare Haltung gegeben hast. Ich freue mich schon auf die nächste “The Refashioners” Challenge, die sicher wieder ganz außergewöhnliche Ergebnisse bringen wird.

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In dem Interview spricht Portia auch davon, daß letztendlich Nachhhaltigkeit und ökologisches Bewußtsein beim Nähen oder Selbermachen auch davon abhängt welche Materialien man wählt. In diesem Zusammenhang möchte ich dir True Fabrics aus Hamburg sehr ans Herz legen.

True Fabrics ist ein Versandhandel mit sozialem Gewissen und einer großen Auswahl an einzigartigen Stoffen aus der ganzen Welt. True Fabrics arbeitet mit kleinen und mittleren Textilproduzenten z.B. aus Ghana, Togo, Südafrika, Nepal, Australien, Guatemala oder Indien zusammen. Sie wollen das traditionelle Handwerk fördern, treten für die kulturelle Vielfalt ein und stellen ökologischen und soziale Prozesse sicher. Und: 10% des Kaufs fließen unmittelbar in soziale Hilfsprojekte.

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TRUE STORY

Was ist unsere Vision, was sind unsere Ziele, wer sind unsere Lieferanten? Antworten liefert die True Story


Wir wollen die Wertschöpfung unserer einzigartigen Stoffe von ihrer Produktion bis zur Auslieferung an unsere Kunden transparent gestalten und bestmöglich die verschiedenen Facetten der Nachhaltigkeit erfüllen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns (eigene) Prozesse umweltfreundlich zu gestalten, ökologisch unbedenkliche Rohstoffe und Materialen zu verwenden sowie zu gerechten Arbeitsbedingungen und fairen Löhne für die Mitarbeiter unserer Lieferanten beizutragen (eine Liste mit den konkreten Maßnahmen findest du hier). Die Gegebenheiten hinsichtlich des Austausches sowie der Produktionsweisen und -standards variieren in den unterschiedlichen Herkunftsländern der Stoffe stark, wodurch jeder Lieferant ein individuelles Profil an Nachhaltigkeitsaspekten abdeckt. Jeder Lieferant hat seine eigene True Story. (…)

(Quelle: Website von True Fabrics, About Us)

 

Wenn du die Vielfalt und Qualität von True Fabrics mal ausprobieren möchtest, dann hinterlasse unter diesem Post einfach einen Kommentar bis heute (28.4.) Abend 24 Uhr. Ich verlose heute einen 25 % Gutschein!

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Den Shopper von Lanius hat Resa gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!