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Ulrike vom Blog “Moritzwerk” über Nähen und Nachhaltigkeit – Gutschein von Band of Rascals

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Gestern habe ich dir auf unserer Fashion Revolution Blogtour Lebenskleidung aus Berlin vorgestellt. Vom Stoff geht es jetzt zur Verarbeitung desselben und ich freue mich sehr, daß mir Ulrike vom Blog Moritzwerk Fragen zum Thema Nähen und Nachhaltigkeit beantwortet hat.

Ulrike und ihren Blog kenne ich schon länger und sie kam mir gleich in den Sinn als ich diese Blogtour zur Fashion Revolution Week geplant habe. Denn ihr geht es nicht nur um das schnelle Tun und Selbermachen, sondern da steckt bei Ulrike mehr dahinter. Ihr geht es auch um Nachhaltigkeit, um den Wert der Dinge und um Qualität statt Quantität…

Interview mit Ulrike vom Blog Moritzwerk:

 

Liebe Ulrike, in Deinem Blog schreibst Du unter “Über uns“:

Hier geht’s um das kreative Leben, handgemachtes Design, natürliche Materialien, nachhaltige Ideen, Upcycling-Projekte und individuelle Produkte 

Außerdem kann man hier lesen, daß Dir Nachhaltigkeit am Herzen liegt und Du fast ausschließlich Biostoffe vernähst. Zunächst einmal würde ich gerne wissen seit wann Du nähst, wie Du dazu gekommen bist und ob der Gedanke der Nachhaltigkeit ausschlaggebend für Dich war mit dem Nähen bzw. Selbermachen anzufangen. Oder hat das eine das andere ergeben.

Hallo Silke, vielen Dank für die Einladung zu Deinem Interview. Ich freue mich sehr, dass das Thema der Nachhaltigkeit in der Nähszene immer stärker Fuß fasst und erzähle gern mehr von meinem Verständnis davon.

Ich bin mit Nähmaschinen um mich herum groß geworden, saß schon als kleines Kind gern unter der alten Tret-Singer meines Opas und habe dem Summen des Riemens und dem Klackern der Nadeln gelauscht und auch oft meiner Mama beim Nähen und Stricken über die Schulter geschaut. Dann gab es eine längere Pause und mit ungefähr Anfang zwanzig habe ich mir die alte Maschine meiner Mama geschnappt und einfach mal losgelegt. Zunächst Kissenhüllen und kleine Täschchen, irgendwann habe ich angefangen, gekaufte T-Shirts zu pimpen und mit der Geburt meiner Töchter ging es dann richtig los. Seit 2014 nähe ich nun wirklich regelmäßig, sitze fast täglich an meinen Maschinen und es gibt kaum ein Projekt, dass ich mir nicht zutrauen würde.

Um Nachhaltigkeit ging es mir dabei anfangs überhaupt nicht. Jedenfalls nicht bewusst. Ich bin studierte Produktdesignerin und liebe es, Dinge zu gestalten. Und gerade Kleidungsstücke sind Produkte, die uns so nach kommen, wie sonst kaum etwas. Für mich lag es also nahe, die Produkte, die ich und meine Familie täglich auf der Haut tragen unseren Bedürfnissen anzupassen. Hinzu kommt, dass ich noch nie gern geshoppt habe. Dafür sind meine Vorstellungen immer viel zu konkret und ich bin in Sachen Mode einfach nicht kompromissbereit. Es lag also nichts näher, als die Sache im wahrsten Sinne des Wortes selbst in die Hand zu nehmen.

Der Nachhaltigkeitsaspekt kam erst später dazu. In der Anfangszeit habe ich für meine Kinder oft Sachen aus ausrangierten Kleidungsstücken genäht, weil mir „gute Stoffe“ für meine rudimentären Nähfähigkeiten zu teuer und zu schade waren. Als ich dann vor zwei oder drei Jahren merkte, dass ich das wirklich kann – das Nähen – und dass meine Sachen tatsächlich gern getragen werden, setzte ein Umdenken ein. Seitdem versuche ich immer zu allererst auf Biostoffe zurück zu greifen. Das ist leider nicht bei jedem Kleidungsstück möglich und manchmal verliebe ich mich auch in einen Stoff, der nicht GOTS-zertifiziert ist. Aber ich bin da nicht dogmatisch. Manche Stoffarten gibt es eben (noch) nicht in „bio“.

Du hast Kinder und erlebst wahrscheinlich auch wie schnell das Shirt wieder viel zu klein, bei einer Hose 10x Flicken aufgebügelt werden müssen. Hier ist es finde ich immer wieder eine besondere Herausforderung nicht dann doch schnell die coole Jeans für 10 Euro beim Klamottendiscounter zu kaufen. Hast Du hier auch eine Strategie für Dich entwickeln können?

Klar kenne ich das, aber zum Klamottendiskounter renne ich trotzdem nicht. Wenn die Zeit zu knapp ist zum Selbernähen (und das ist sie leider oft), gehe ich in einen der zwei schönen Second-Hand-Läden hier vor Ort und finde mit hoher Wahrscheinlichkeit das, was meine Kinder gerade brauchen. Wenn doch einmal etwas neu gekauft werden muss, wähle ich hochwertige Kleidungsstücke aus, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gut in der Familie weiter vererbt werden können, oder die auf dem Flohmarkt eine zweite Chance bekommen, um ihren Lebenszyklus maximal zu verlängern. Bei Genähtem versuche ich ein aufwändigeres Projekt möglichst unisex zu gestalten, so dass alle drei meiner Kinder (meine Töchter sind 6 und 4, mein Sohn anderthalb) es theoretisch tragen könnten, zum Beispiel wie beim Wind-und-Wetter-Parka. Das macht natürlich bei Mädchenkleidern wenig Sinn, aber bei Basic-Teilen wie Hosen, T-Shirts, manchen Jacken oder Pullis kann man von vorn herein darauf achten. Leider funktioniert das nur, solange die Kinder mitspielen. Noch lassen sich auch meine großen Töchter gut beeinflussen, aber irgendwann wird der Druck von außen stärker. Dann hilft hoffentlich Aufklärung.

Außerdem habe ich vor kurzem angefangen eine Art „roten Faden“ in die Kleiderschränke meiner Kinder zu bringen, so dass möglichst viele Einzelteile gut zusammen passen, und ich achte schon beim Stoffkauf darauf, möglichst klassische Muster zu wählen und in meinem Farbspektrum zu bleiben, damit am Ende alle gut zusammen passt. Bis das geschafft ist, ist es aber noch ein weiter Weg.

Oft wird gesagt und geschrieben „Nähen ist mein Yoga“, „es entspannt und gibt Ruhe“ usw. Auf der anderen Seite sind da die sozialen Medien und der Drang immer mehr und schneller Bilder und Videos zu produzieren und zu teilen. Wie empfindest Du diese Entwicklung für Deinen Alltag, der ja ganz andere Dinge im Fokus hat.

Als Betriebswirtin und Bloggerin bin ich mir der Wirkung und Bedeutung der sozialen Medien sehr bewusst. Wer nicht oft genug hochwertigen Content liefert, verliert schnell an Reichweite. Ein böses Wort, aber ich möchte es nicht unerwähnt lassen. Denn ohne Reichweite könnten wir unsere Fotos auch ans Küchenfenster kleben, das hätte einen ähnlichen Effekt. Die sozialen Medien erzeugen einen unheimlichen Druck, mit dem man erst einmal umzugehen lernen muss.

Gerade in der Nähszene wird man täglich mit so vielen schönen Bildern von neu genähten Teilen konfrontiert, die einerseits ein wunderbarer Quell von Inspiration sind, andererseits aber den Druck erzeugen, mithalten zu müssen. Dabei widerspricht es doch völlig dem Verständnis von Nachhaltigkeit, wenn man im Wochentakt neue Kleidung produziert, nur um auf Instagram & Co. etwas zeigen zu können.

Darum habe ich Anfang des Jahres den Flatlayfridiy auf Instagram ins Leben gerufen. Ich sah all die schönen selbst genähten Sachen in den Schränken meiner Familie und fand es plötzlich so schade, dass sie nur einmal ihren Auftritt auf dem Blog bekommen und dann scheinbar in der Versenkung verschwinden. Dabei gibt es doch meistens noch so viel mehr Kombinationsmöglichkeiten als dieses eine Outfit, das man am Tag des Fotoshoootings gewählt hat. Für weitere große Fotoshootings habe ich – wie die meisten anderen Näherinnen in der Community – viel zu wenig Zeit. Die Lösung sind Flatlays, also flachgelegte Outfits. Ein gutes Flatlay ist zwar auch nicht in zwei Minuten fotografiert, aber dennoch wesentlich unaufwändiger als ein „echtes“ Fotoshooting. Man braucht eigentlich nur ein gutes Outfit, einen ansprechenden Untergrund und ausreichend Licht.

Mit dem Flatlayfridiy möchte ich auf Instagram ein Gegengewicht schaffen zum Wahn, immer wieder neues produzieren zu müssen. Die Resonanz zu der Aktion war und ist noch immer überwältigend. Oft bekomme ich das Feedback, dass der Flatlayfridiy dazu geführt hat, dass Näherinnen alte, längst vergessene Kleidungsstücke wieder entdeckt und durch ungewohnte Kombinationen neue Lieblingsoutfits gefunden haben. Und ganz nebenbei produziert man noch schönen Content für die sozialen Medien. Der Flatlayfridiy nimmt ein bisschen den Druck aus dem Nähen und macht trotzdem glücklich.

Fair produzierte Stoffe und auch Klamotten haben immer noch ein bißchen den Ruf, daß sie öde und eben öko aussehen. Was meinst Du?

Mittlerweile hat die Bio-Mode ihr muffiges Öko-Image abgelegt und es gibt viele fair produzierende Modeunternehmen, die coole, mainstreamtaugliche Klamotten anbieten, wie Armedangels oder Kings of Indigo. Nur wenn man genau hinschaut, kann man fair produzierte Öko-Mode von konventionellen Kleidungsstücken unterscheiden: Öko-Mode macht nämlich nicht jeden x-beliebigen Trend mit, sondern setzt weitgehend auf ruhige Farben und klassische Schnitte, um nicht gleich nach einer Saison wieder „out“ zu sein und in der Tonne zu landen. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, denn Mode soll ja trotzdem Spaß machen – auch (oder gerade) in nachhaltig.

Für Bio-Stoffe gilt dies auch. Es gibt in der Regel nicht jede Woche neue Kollektionen mit zehn verschiedenen Mustern, Farben und Texturen. Sollte es auch gar nicht. Ich finde, einen wirklich guten Bio-Stoff zeichnet aus, dass er auch nach zwei, drei oder zehn Jahren im Stoffregal noch modern ist. Am Ende kann niemand mehr erkennen, ob ein Pulli aus einem konventionellen oder einem GOTS-zertifizierten Sweat genäht ist, aber wir wissen es und freuen uns heimlich darüber, dass wir die Welt ein klitzekleines bisschen besser machen. Wie „öko“ wir Näherinnen aussehen, haben wir selbst in der Hand. Und wer nicht nähen kann oder will, findet schon jetzt genug nachhaltige Alternativen von der Stange.

Du kennst Dich in der Biostoffszene gut aus! Kannst Du uns vielleicht ein paar Tipps geben woher Du Deine Stoffe beziehst? 

Für Kinder-Kleidung wie T-Shirts und Leggings gibt es kaum etwas besseres als die Jerseys von Nosh (https://en.nosh.fi/). Man bekommt sie in Deutschland vereinzelt in Online-Shops über DaWanda und die volle Kollektion direkt über den Nosh-Online-Shop aus Finnland. Die Versandkosten sind überschaubar, allerdings muss man mit bis zu zwei Wochen Versanddauer rechnen.

Aus Deutschland kommt großartige Maschenware von Albstoffe, die inzwischen in (fast) jedem Online-Shop und Nählädchen zu haben sind. Von schlichten Jerseys bis extravaganten Strick-Jacquards ist fast alles dabei. Der Markt für Bio-Maschenware ist hierzulande offentsichtlich gut versorgt.

Wenn man nach Bio-Webware sucht, wird es schon etwas schwieriger. Die gibt es unter anderem von Cloud9, Birch und C.Pauli. Fündig wird man zum Beispiel bei der Eulenmeisterei (http://eulenmeisterei.de/). Silvia führt ausschließlich GOTS-zertifizierte und Bio-Stoffe, bei denen auch diejenigen ins schwärmen kommen, die verspielte Muster und kräftige Farben mögen. Einige Basics runden das Angebot ab.

Gedeckter geht es bei Siebenblau (http://www.siebenblau.de/) zu. Dieser Shop arbeitet wirklich nachhaltig, ohne irgendwelchen saisonalen Trends hinterher zu laufen und er ist sogar selbst GOTS-zertifiziert. Besonders gut finde ich, dass man Stoffe nach ganz verschiedenen Kategorien anzeigen lassen kann, zum Beispiel nach Anwendungsbereich oder nach Material.

Relativ neu am Meterware-Markt ist Lebenskleidung (https://www.lebenskleidung.com/), das neben ganz klassischen Stoffen wie Ringeljersey und Denim auch einige innovative Produkte wie 3D-Strick und wasserabweisenden Funktionsstoff im Angebot hat – natürlich alles in „bio“. Den Stretchjersey mag ich besonders gern, weil er so schön fällt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass man inzwischen fast überall über Bio-Stoffe stolpern kann. Da hilft manchml nur auf‘s Etikett zu schauen und nach dem GOTS-Siegel Ausschau zu halten oder direkt nachzufragen. Wichtig ist in jedem Fall, sich genau über den einzelnen Stoff zu informieren, denn manche Stoffe sind gar nicht „bio“, obwohl man es vom Anbieter erwartet, und manchmal findet man Bio-Stoffe dort, wo man sie gar nicht vermutet.

Glaubst Du, dass es so etwas wie eine Fashion Revolution geben kann? Wo siehst Du die Chancen dafür, dass es zu einem größeren Bewusstsein beim Kauf von Kleidung kommt?

In der Nähszene ist die Fashion Revolution längst angekommen. Hier ist jedem klar, dass bei einem Shirt für drei Euro etwas nicht stimmen kann. Und das wachsende Angebot an modischen und bezahlbaren Biostoffen trägt zusätzlich zur Nachhaltigkeit beim Nähen bei. Das Bewusstsein für faire Mode ist da und es wächst langsam aber stetig.

Im Ready-to-Wear-Segmet kommt es aber sicherlich sehr darauf an, dass faire Marken an Bekanntheit gewinnen und sich im Mainstream stärker durchsetzen können. Oder dass konventionell produzierende Unternehmen eine Art Selbstverpflichtung eingehen. Gesetzliche Bestimmungen wären auch ein Weg, nur leider ein global schwer durchsetzbarer.

Ich denke, die nachhaltigste Lösung besteht in umfassender Aufklärung, die bereits bei den Kleinsten der Gesellschaft beginnen sollte. Schon in der Grundschule sollten Kinder erfahren, wer ihre Kleidung (und auch die anderen Produkte des täglichen Lebens) herstellt, damit sie zu mündigen, verantwortungsbewussten Konsumenten heranwachsen. Die Thematik muss an Schulen und Universitäten und natürlich auch zu Hause diskutiert werden und in den Medien häufiger anklingen, bis sie nach und nach jeden erreicht hat. Der Weg ist lang und es ist eine generationenübergreifende Aufgabe, der ich mich stelle und für die ich mich einsetze. Macht ihr mit?

Liebe Ulrike, vielen Dank für das spannende Interview mit Dir und die vielen Tipps, die du uns gegeben hast!

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Ulrike hat zwei Mädels, die sie einkleiden muss. Für alle, die Jungs zu Hause haben (oder deren Töchter lieber coole Jungssachen tragen) gibt es heute einen Tipp in Sachen nachhaltiger Jungsklamotten. Ich selbst bin immer wieder auf der Suche für meine beiden Söhne (8 & 11) und werde bei “Band of Rascals” immer wieder fündig.

Hinter “The Band of Rascals” stehen Peter Blunck und Dirk Rosenthal, zwei Väter, die im Spätherbst 2013 auf einem Kölner Spielplatz  ins Gespräch kamen. Beide stellten fest, dass es zu wenig nachhaltig produzierte Klamotten in guten Design für ihre Söhne gibt und so entstand am Sandkasten die Geschäftsidee: ein Modelabel für Kinder in Bio-Qualität. Produziert wird in Portugal. Dirk Rosenthal arbeitet im direkten Kontakt mit der Näherei zusammen und sorgt für die Einhaltung des strengen Global Organic Textile Standard (GOTS), mit der die Firma zertifiziert wurde. Dieser Bio-Standard garantiert dem Kunden, dass das gekaufte Kleidungsstück umweltschonend und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde.*

(*Good Impact: Faire Kindermode von Band of Rascals)

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Heute darf ich hier im schnittchen Blog einen 50 € Gutschein von Band of Rascals verlosen! Wer also noch coole T-shirts oder kurze Hosen für seine Kinder sucht, der kann bis heute Abend (24.4.) 24 Uhr unter diesem Beitrag einen Kommentar hinterlassen. Die / den GewinnerIn gebe ich morgen hier wieder im Blog bekannt. Viel Glück!

 

Fairer Stoff von
Lebenskleidung

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Heute startet zusammen mit der Fashion Revolution Week auch offiziell unsere Blogtour und ich freue mich sehr, daß den Anfang die Firma Lebenskleidung aus Berlin macht.

Die Entwicklung von Lebenskleidung beobachte ich fast von Anfang an und und ich habe schon viele Stoffe von ihnen vernäht, die du z.B. bei den Schnittmustern Yogaset Om oder dem Shirt Catrin bewundern kannst.

Zertifizierte Baumwollstoffe als Meterware

Lebenskleidung produziert Bio-Baumwollstoffe und bietet mittlerweile auch eine große Auswahl ihrer tollen, trendigen und gleichzeitig nachhaltig zertifizierten Stoffen als Meterware an. Du kannst die Stoffe nicht nur im Einzelhandel kaufen, sondern direkt online über den Webshop von Lebenskleidung.

Ich habe Benjamin Itter, der zusammen mit Enrico Rima und Christoph Malkowski 2009 Lebenskleidung gegründet hat ein paar Fragen gestellt und das Interview ist so spannend, daß ich gar keinen langen Vorspann schreiben möchte und gleich damit loslege.

Interview mit Benjamin Itter von Lebenskleidung

 

Lieber Benjamin, Du hast zusammen mit Enrico Rima und Christoph Malkowsk Lebenskleidung gegründet. Wie kam es dazu?

Hallo Silke. Vielen Dank für Deine Fragen. Das ist eine längere Geschichte und tatsächlich feiern wir in diesem Jahr unser 10-jähriges Bestehen. Wahnsinn. Ich führe dann einmal etwas länger aus und hoffe das ist ok so.

Die Anfänge

Angefangen hat tatsächlich alles mit ayurvedisch gefärbter Bettwäsche. Im Jahr 2006 haben Enrico und ich für ein Jahr im südindischen Kerala studiert. Das muss wohl Karma gewesen sein, denn hier in Indien ist die Idee zu Lebenskleidung entstanden. Wir waren insgesamt ein Jahr am Stück in Indien, ich habe später weitere zwei Jahre dort gelebt. Enrico hat Umweltwissenschaften und Geographie studiert, ich selbst Litereaturwissenschaften, Politik und Geographie. Wir waren dort extrem wissbegierig und haben vor allem die englischsprachigen Zeitungen verschlungen und sind viel gereist. Und dort sind wir zum ersten Mal mit den ganzen Problemen in Kontakt gekommen, die es vor allem auch in der Landwirtschaft in Indien gibt: Bauern vergiften sich auf ihren Feldern mit Pestiziden, begehen massenweise Selbstmord. Vor allem Baumwollbauern sind betroffen. Und da wollten wir mehr wissen. Und nach und nach wurden uns auch die Zusammenhänge der globalen Textilproduktion bewusst. Die Abhängigkeiten von Rohstoffpreisen, die globalen Schwankungen, die riesigen Mengen an Baumwolle, die im globalen Süden für den reichen Norden produziert werden. Und das war nicht alles: wir sehen dort verseuchte Flüsse, von den Abwässern der Färbereien und erfahren auch von der Ausbeutung von vor allem Frauen in den Nähbetrieben. Natürlich war die Zeit auch wunderschön und wir hatten super viele positive Erfahrungen in Indien. Aber zum ersten Mal in unserem Leben kommen wir eben auch mit Armut in Kontakt und auch mit der Frage unter welchen Bedingungen unsere Kleidung eigentlich produziert wird.

Ayurvedische Bettwäsche

Und irgendwie wollten wir damals schon etwas daran ändern, wussten aber nicht wirklich wie. Unser Auslandsstudium war irgendwann zu Ende. Enrico zieht es zurück nach Berlin. Ich bin in Indien geblieben, habe dort mit einem Freund eine Praktikumsvermittlung gegründet. In der Times of India habe ich an einem Tag einen Bericht über eine Pflanzenfärberei im Dschungel Keralas gelesen, die Stoffe und Kleidung nach alten ayurvedischen Prinzipien färbt. Das war unfassbar genial, denn die Stoffe haben sogar eine eine heilende Wirkung auf der Haut entfaltet. Davon habe ich wiederum Enrico und einem weiteren Freund erzählt und uns kam die Idee, wie cool es wäre aus den ayurvedisch gefärbten Stoffen Bettwäsche herzustellen. Das war eigentlich der Startschuss. Unser Name Lebenskleidung leitet sich aus dem Sanskrit-Wort Ayurvastra ab. Ayur bedeutet Leben und Vastra Kleidung. In Deutschland ist dann noch Christoph dazugekommen, der zu der Zeit im Abendstudium an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) studiert hat.

Gründung von Lebenskleidung

Und so haben im Jahr 2008 vier Jungs in einer Dachgeschosswohnung in Berlin gesessen und die Firma Lebenskleidung gegründet. Wir wollten am Anfang ayurvedisch gefärbte Bettwäsche in Deutschland bekannt machen. Dazu mussten wir noch den perfekten Stoff finden und zu Bettwäsche vernähen. Nach langer Suche haben wir dazu das Appachi Cotton Projekt in Tamil Nadu gefunden. Hier wird die Baumwolle so angebaut, wie wir es uns vorstellen: bio- dynamisch, gänzlich ohne Pestizide, in höchster Qualität und mit festen Abnahmepreisen für die Bauern. Und hier wurde ebenfalls nach fairen Prinzipien konfektioniert, d. h. genäht.
Und Ende 2008 kam schließlich die erste Lieferung der ayurvedischen Bettwäsche in Berlin an. Doch schnell wurde uns klar, dass die Welt nicht wirklich auf ayurvedisch gefärbte Bettwäsche gewartet hat. Aber es gibt eine andere interessante Erkenntnis, denn Menschen fragen uns auch, ob sie den tollen Stoff der Bettwäsche auch separat erwerben könnten.

Und der Zufall, oder wieder das Karma, spielt nun eine große Rolle. Ein Tipp einer Freundin gab uns den Hinweis auf eine weitere Pflanzenfärberei in Indien. In Gandhis Heimat Gujarat gibt es eine Färberei, die auch Handtücher und Stoffe pflanzlich färben und sogar bedrucken kann: Aura Herbal Wear. Und so haben wir in kurzer Zeit und nach einem weiteren Besuch in Indien unser Produktportfolio um Handtücher und zum ersten Mal auch Stoffe erweitert.

Gemeinsam mit Aura hatten wir einen Messestand auf der Biofach 2010 in Nürnberg. Und unser erster großer Kunde wurde der Waschbär Umweltversand und viele weitere Interessenten folgten, auch für die Stoffe. 2011 waren wir dann bei ZDF Neo zu sehen, wo die Gründer-Doku „Start me Up“ lief in der wir vorgestellt wurden. Und zum ersten mal wurden auch auch Stoffläden und Designer auf die pflanzlich gefärbten Stoffe aufmerksam. Aber es gab bald auch einen Haken.

Die Stoffe sind zwar wunderschön und 100% zertifiziert ökologisch, aber leider aufgrund der rein pflanzlichen Färbung auf Bio-Baumwolle nicht wirklich wasch- und farbecht und genügen nicht den hohen Ansprüchen der westeuropäischen Kunden. Das war eine sehr große Ernüchterung, die uns den weiteren Vertrieb von pflanzlich gefärbten Stoffen unmöglich gemacht hat, denn wir bekamen leider sehr viele Reklamationen.

Zur gleichen Zeit entstand in Berlin das Projekt „Made in Neukölln“ der Rütli-Schule, einer Schule im sozialen Brennpunkt in Berlin Neukölln, die gerade sehr im Blickpunkt der Medien war, weil dort unhaltbare Zustände herrschten. Es wurden ganz viele soziale Projekte dort gestartet. Eines davon war eben „Made in Neukölln“ in Kooperation mit der Modeproduktionsagentur Common Works. Die Idee von „Made in Neukölln“ war simpel, lokal in Berlin T- Shirts und Hoodies produzieren und auch dort bedrucken. Und dafür wurde GOTS-zertizierter Bio-Baumwolljerseystoffe in Schwarz und Weiß benötigt. Aufgrund unseres aufgebauten Netzwerkes in Indien konnten wir den liefern, und hatten sogar einen Lagerüberhang zur Verfügung.

100 % Transparenz

In der Zeit war in Berlin nachhaltige Mode gerade schwer im Kommen und die Menschen haben sich gefragt, woher ihre Kleidung eigentlich kommt. Viele weitere junge lokale Designer haben Interesse an unserer ersten Stofflieferung gezeigt. Zu dem Zeitpunkt haben wir aus einer kleinen Altbauwohnung in Berlin-Treptow heraus gearbeitet. In vielen schlaflosen Nächten haben wir unseren ersten Onlineshop aufgesetzt und die Materialbedürfnisse der Design-Community in den unseren ersten sogenannten Sammelbestellungen zusammen gefasst. Die Idee dahinter wiederum: Lebenskleidung sorgt für 100 % Transparenz, stellt die Nachverfolgbarkeit der Bio-Baumwolle sicher, regelt die Logistik und schafft bei vielen jungen Designer große Freude, da es endlich zertifizierte Materialien in kleinen Bestellmengen gibt. Wir haben viele Einzelbestellungen eines Stoffs zusammengefasst und dann mit unseren Partnern produziert.

Mit den darüber glücklichen Kunden sind ebenfalls die Herausforderungen gewachsen. Es folgen Nachbestellungen, aber die Mindestproduktionsmengen für die jeweiligen Stoffe konnten wir nur durch eben jene Sammelbestellungen erreichen. Und schnell wurde uns klar, dass wir in jedem Fall Lagerware für unsere Kunden vorhalten müssen, wenn wir wirklich Modelabel mit coolen Stoffen beliefern wollen und gemeinsam mit diesen wachsen wollen. Sonst funktioniert es nicht. Die Stoffe kommen zudem immer noch in der kleinen Einliegerwohnung, die aus allen Nähten platzt, an, werden komplett per Hand umgewickelt und von dort versendet. So ein bisschen die Geschichte aus der Garage, nur eben dass die Garage mit Stoffen vollgestopft ist. Zu der Zeit sind wir alle an unsere Grenzen gekommen. Und dann haben wir mit der GLS Bank, der weltweit ersten Bank zur Finanzierung nachhaltiger Unternehmen und Projekte, einen Partner gefunden, der unsere kleine Unternehmung unterstützt hat, um in ein richtiges Stofflager zu investieren. Ende 2011 wird es richtig spannend. Da sind wir nämlich in die heutigen Räumlichkeiten am Leuschnerdamm 13 in Berlin-Kreuzberg gezogen. Das ist auch schon wieder 7 Jahre her. Total verrückt wie schnell die Zeit vergeht.

Kannst Du uns von den Anfängen berichten? Wie habt Ihr Euer Netzwerk von Zulieferern und Produzenten aufgebaut? Das war sicher Pionierarbeit…?

Oh ja. Das war wirklich Pionierarbeit. Vor allem wurde man ja von den Textilbetrieben mit den Minibestellmengen die wir hatten nicht wirklich ernst genommen und mussten uns anfangs immer hinten anstellen, bis eine Maschine frei war. Gerade im Handel mit Indien war das nicht immer einfach. Außerdem mussten wir den Stoff für unsere Community immer komplett vorfinanzieren. Wir haben das komplette Risiko getragen und wenn etwas mit dem Stoff nicht gestimmt hat, sind wir darauf sitzen geblieben. Das war ein sehr großer Lernprozess für uns alle.

Pionierarbeit von der Pieke auf

Die Stoffbeschaffung aus Indien war bezüglich der Qualitätskontrolle und der Lieferzeit nicht wirklich zufriedenstellend. So haben wir neue Partner gesucht und die Perspektive richtete sich zuerst gen Türkei, wo wir einen bis heute mit uns arbeitenden Partner gefunden haben. Da sind wir sehr viel gereist, haben Baumwollfelder besucht, Strickereien, Webereien, Färberein. Tatsächlich von der Pieke auf. Immer mit dem ganz klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. Und nach einigen Disastern vor allem: Qualität, Qualität, Qualität. Grundlage der Partner war zuerst die Zertifizierung nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS). Aber das hat uns noch nie gereicht.

Wir wollten immer wissen mit wem wir arbeiten, wer die Leute dahinter sind, ob sie es ernst meinen mit den Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Qualität oder ob es denen nur ums Geld geht. Auch hier lernt man in all den Jahren sehr viel und es gab Höhen und Tiefen. Diese Erfahrung ist heute so super wertvoll. Denn wir nehmen ganz vielen Unternehmen heute den „Sourcing-Schmerz“ ab. Wir stehen hier in Deutschland für alles gerade was passiert. Lieferzeiten, Qualität, Zertifizierung. Da gibt es keine Abstriche. Unser Netzwerk ist immer weiter gewachsen und mittlerweile produzieren wir viele unserer Stoffe mit Familienunternehmen in Portugal. Aber wir arbeiten auch mit Partnern in Deutschland, Tschechien, Frankreich oder Belgien zusammen. Unser Sortiment wächst stetig und es macht uns großen Spaß, ganz neue Fasermischungen und Stoffe zu finden. Neu dazu ist nun auch Bio-Baumwolle aus einem Fair Trade Projekt in Uganda gekommen. In unserem Blog gibt es dazu in Kürze weitere Infos.

Ich finde in unserem Portfolio, das mittlerweile Johanna komplett plant, finden sich in jeder Saison immer coolere Stoffe. Und dazu in der höchstmöglichen zertifizierten Stoffqualität. Persönlicher Kontakt zu unseren Produzenten ist das A und O. Und in Westdeutschland haben wir einen starken Partner, der jeden angelieferten Meter Stoff nach internationalen Standards auf Masche und Faden prüft, so dass nur 1-A-Stoffe in höchster Qualität beim Kunden ankommen. Der Versand erfolgt schließlich auch aus einem externen Lager. Muster versenden wir aus Berlin.

Die Mode- bzw. textilverarbeitende Industrie gehört noch immer zu einer der im wahrsten Sinne dreckigsten mit teilweise prekären Bedingungen für die Arbeitnehmer. Trotz des Bewusstseins hat man das Gefühl, daß gerade die Billigmodeketten sich weiterhin großer Beliebtheit erfreuen. Was meinst Du wie man das Bewusstsein gerade von jugendlichen Konsumenten in Richtung eines nachhaltigeren Konsums beeinflussen könnte?

Ich glaube, dass gerade jugendliche ein sehr großes Gespür für Mißstände haben und genau wissen, was richtig und falsch ist. Vor allem spüre ich immer wieder sehr viel Empathie gegenüber den Menschen die in der Textilindustrie ausgebeutet werden. Wenn man aufklärt. Niemand möchte ja, dass andere Menschen leiden, wenn etwas hergestellt wird.

Die Verantwortung müssen die Unternehmen tragen

Die großen Ketten halten das natürlich bestmöglich unter Verschluss und spielen eine stylische, spaßige, individuelle Modewelt vor. Das dahinter heutzutage oft wahnwitzige Produktionsbedingungen herrschen, sieht man nicht. Doch das ist bei so vielen Dingen so. Ich finde man muss auch gerade mit Jugendlichen nicht so streng sein. Wie sollen sie denn in dieser reizüberfluteten Welt immer die moralisch richtigen Entscheidungen treffen? Wir Erwachsenen sollten dies doch tun. Und natürlich unsere Kinder aufklären und Ihnen zeigen wie es wirklich läuft. Aber die Verantwortung MÜSSEN die Unternehmen tragen. Sie sind es, die wir täglich ihren Greenwashing Lügen stellen müssen. Denen wir, wenn sie nicht sauber arbeiten dies immer wieder unter die Nase reiben müssen.

RankABrand ist ein guter Wegweiser dafür. Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass Unternehmen Menschen ausbeuten, dass es täglich Pestizidtote auf der ganzen Welt gibt, das komplette Ökosystem völlig zerstört werden, weil wir hier angeblich billige T-Shirts brauchen. Es gibt viele Alternativen. Im Fair Fashion Finder von GetChanged  findet man diese. Und es gibt so viele tolle Beispiel und so viele tolle Labels von nebenan, die super Arbeit leisten. Wenn sich große Modeketten bewegen, umso besser. Aber sie könnten viel, viel, viel mehr tun als jetzt.

Sie müssen verantworten was sie tun, und mit lockeren Werbesprüchen zu Nachhaltigkeit dürfen wir sie da nicht entlassen. Ich kenne die Flüßss in Indien. Ich kenne die Situation der Baumwollbauern. Mir ist der ganze Wahnsinn dieser Industrie bewußt und auch der Zynismus derer, die in dieser Industrie Kohle scheffeln. Und darum geht es den meisten einzig. Um Profitmaximierung, Shareholder Value, die üblichen Verdächtigen. Jeder soll von seiner Arbeit gut leben und auch Gewinne machen. Wenn diese jedoch Menschen und die Umwelt auf dem Gewissen haben, DÜRFEN wir das nicht hinnehmen. Und gleichzeitig sollten wir tolle positive Beispiele geben, wie cool und lässig fair und korrekt hergestellte Klamotten sein können.

Könnt Ihr über den Abverkauf Eurer Stoffe feststellen, daß das Bewusstsein im Wandel ist?

Ja. Eindeutig. Die Menschen möchten gern wissen, woher ihre Stoffe stammen. Und gerade wenn man näht und kreiert ist man doch auch ein haptischer Mensch. Wer täglich Stoff anfasst und damit arbeitet, dann weiß man auch Material zu schätzen, dass korrekt hergestellt wurde. Und für unsere Brands und Labels, die ja den Hauptteil unserer Kunden ausmachen ist vor allem auch eine sehr hohe Qualität extrem wichtig. Und da macht es einen Unterschied, ob ich die beste unbehandelte Bio-Baumwolle benutze, deren Garn gekämmt wurde oder sogar Kompaktgarn ist und für deren Färbung man die bestmöglichen Techniken nutzt. Eine Sauerstoffbleichung statt Chlor zu Beginn, natürliche Enzyme statt aggressive Weichmacher und vieles mehr. Nachhaltig ist nur, was Qualität hat und auch langlebig ist. Und so viele Menschen wissen das eben zu schätzen und gefühlt immer mehr. Das ist ganz toll zu sehen.

Ihr habt auch einen Online Shop für Hobbyschneiderinnen und beliefert den Stoffeinzelhandel. Hast Du das Gefühl, daß sich insbesondere Hobbyschneiderinnen der Nachhaltigkeit Ihres Hobbys bewußt sind und in der Folge dann auch mehr und mehr zu fair und ökologisch sauber produzierten Stoffen greifen?

Ja. Wie gesagt. Das Erleben, Befühlen und Arbeiten mit Stoff macht einem doch sehr bewußt, was es mit einem Material auf sich hat. Und es ist nunmal ein tolles Gefühl, wenn die eigene Kreation noch dazu mit Material hergestellt wurde, dass fair und ökologisch korrekt ist. Ich finde es so unfassbar cool, wenn ich die Kreationen sehe, die aus unseren Stoffen entstehen. Zum Beispiel in unserer Facebook Nähcommunity Gruppe.

Das tollste am Selbstnähen ist auch, dass Individualität in unsere Leben gesendet wird. Selbst wenn man nach einem Schnittmuster näht, macht man doch etwas für sich selbst und gibt jedem Teil seine eigene Note. Und jedes Teil, dass man selbst näht, muss man nicht von einer anonymen Modekette kaufen. Ich finde gerade auch die Ästhetik dahinter wichtig. Lasst uns unsere Innenstädte zurückerobern. Schönheit in die Welt senden. Der Monotonie der Kleidung da draußen ein Ende setzen. Suppport your local designer. Wie viel schöner ist es, wenn man auf eine Feier kommt und jeder der Gäste wirklich individuell gekleidet ist? Und noch dazu den Menschen, die die Baumwolle anbauen und Stoffe produzieren ein besseres Leben ermöglicht?

Was sind Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für Euer Unternehmen?

Die stetige Qualtiätskontrolle und auch die Logistik.

Was wäre für Dich eine Fashion Revolution?

Eine Fashion Revolution ist bereits im Gange. Wir Konsumenten stellen mehr und mehr die richtigen Fragen und das übt Druck auf diejenigen aus, die nicht sauber arbeiten und viel zu viel Kleidung auf den Markt werfen, die oft sogar verbrannt wird oder auf der Deponie landet obwohl sie mühsam unter großem Aufwand produziert wurde. Das ist doch Wahnsinn!

Eine Fashion Revolution beginnt mit jedem Modeschaffenden bei Dir zu Hause vor der Tür. Wenn man erfahren kann, wie genau produziert wird, mit welchen Materialien. Das ist eine Fashion Revolution. Da braucht man keine billigen Werbesprüche, sondern die Menschen hinter dem Produkt. Wir haben nur einen Planeten und wir sollten alle auf uns aufpassen.

Und da kann man den guten alten Kant zitieren: „„Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!“. Einfacher: „Was Du nicht willst was man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“. Wenn man so handelt, dann ist das wahrlich revolutionär, obwohl es doch so einfach ist.

Vielen Dank, Benjamin, für dieses tolle und engagierte Interview! Ihr seid mit Leib und Seele dabei und ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und Energie diese Idee weiter voranzubringen!

Unsere Tipps für dich Get Changed & Erlich Textil

GET CHANGED VEREIN FAIR FASHION NETWORK

Das Fair Fashion Network ist ein in der Schweiz eingetragener Verein, der zum Ziel hat, modebewusste und kritische KonsumentInnen über rund um das Thema Fair Fashion zu informieren und Interessengruppen zu vernetzen. Basis des Netzwerks ist der Fair Fashion Finder, der es Konsumentinnen und Konsumenten ermöglicht, faire Mode schnell und einfach finden. Zugleich schafft GET CHANGED! Transparenz zu den sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen der präsentierten Kollektionen.
Der Verein Fair Fashion Network steht für Unabhängigkeit, Glaubwürdigkeit sowie Transparenz und integriert diese Grundlagen in das unternehmerische Handeln. Seit Oktober 2014 wird www.getchanged.net über den Verein Fair Fashion Network verwaltet.

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Erlich Textil 

wäsche & basics, die sich einfach besser anfühlen – und das in allen belangen.
Mit diesem Ziel vor Augen beginnen Sarah und Benjamin 2015 ihre Arbeit an einem Label für Wäscheprodukte. In Wochen von Materialkunde, Farben mustern, Knopfgravuren, Probetragen, Waschen und wieder Probetragen entstand die erste Kollektion nachhaltig produzierter Wäsche für Männer und Frauen.

erlich Textilien sind unaufgeregt zeitlos gestaltete und ins Detail zu Ende gedachte Wäscheprodukte mit zurückgenommenem Design und natürlichem Sexappeal. Sie sind durch ihre sehr hohe Qualität und ihr Design zeitlos und folgen keinen kurzfristigen Modetrends.

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Das Floor Shirt von Kuyichi Pure Goods hat Thomas gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

 

Fashion Revolution Week Blogtour – Kuyichi, JustDiggit & Antoine Peters – kostenloses Schnittmuster

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Wußtest du, daß „…eine deutsche Kundin im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke im Jahr kauft und sie jedes Einzelteil nicht mehr als 4x anzieht? Rund ein Fünftel der gekauften Kleidung landet ungetragen in der Altkleidersammmlung oder auf dem Müll. Weltweit ist der Verbrauch von Bekleidungstextilien seit den 1980ern um das Vierfache gestiegen, während der Preis etwa im gleichen Maß gefallen ist.“ *

Fast Fashion – so nennt man diesen Trend, der uns KonsumentInnen gefallen mag, denn wir können uns schnell und günstig nach den letzten Trends kleiden ohne hinter die Kulissen schauen zu müssen. Als aber vor 5 Jahren am 24. April in Bangladesch die Textilfabrik Rana Plaza zusammenbrach, 1138 Menschen dabei ums Leben kamen und weitere 2438 verletzt wurden, stellte man sich dann doch die Frage: Wer macht eigentlich meine Kleider? Wie kann es sein, daß ein T-Shirt, für das Baumwolle angebaut, ein Stoff gewebt und gefärbt werden muss, das entworfen, zugeschnitten, genäht werden muss und darüberhinaus noch einen so weiten Weg zurücklegt dann bei uns im Laden nur 3 Euro kostet?

Im Gedenken an das Unglück im Rana Plaza findet vom 23.4 – 29.4. zum vierten Mal die Fashion Revolution Week statt. Ziel ist es nicht die Modetrends, sondern die Herstellung von Kleidung in den Fokus zu rücken. Mit Workshops, Flashmobs und Events aber vor allem mit einer groß angelegten Kampagne auf den sozialen Medien unter den hashtags #whomadeyourclothes oder #imadeyourclothes soll das Bewusstsein für eine der immer noch dreckigsten Industrien geschärft werden.

Dieses Jahr möchte auch ich hier im schnittchen Blog einen Teil dazu beitragen. Auf unserer Fashion Revolution Week Blogtour stelle ich jeden Tag Personen, Unternehmen und Labels vor, die sich faire Arbeitsbedingungen, ökologische Richtlinien und Nachhaltigkeit in ihrem Tun auf die Fahnen geschrieben haben.

Fashion Revolution Week Blogtour – Kick-Off

Zum Einstimmen, sozusagen als „Kick-Off“ der Blogtour möchte ich Dir heute ein Unternehmen aus den Niederlanden vorstellen, das seit 2001 unter dem Label „Kuyichi – Pure Goods“ transparent, fair und umweltbewußt vor allem Jeans, Sweat – und T-Shirts produziert. Auf ihrer Internetseite unter „Our pure story” erfährt man alles, was uns eigentlich bei dem Kauf eines Kleidungsstücks interessieren sollte: klickt man auf „Pure Production“ so kann man genau nachlesen mit welchen Zulieferern und Produzenten Kuyichi zusammenarbeitet. Unter „Pure Denim“ wird beschrieben aus welchen Fasern die Stoffe hergestellt werden und wie sie gefärbt werden. Und unter „Pure Stories“ bekommst Du Einblicke hinter die Kulissen von Kuyichi und ihren zahlreichen Kooperationen.

Im Rahmen einer letzten Kollaboration mit dem niederländischen NGO JustDiggit und dem Designer und Künstler Antoine Peters sind zwei T-Shirts entstanden, deren voller Erlös der Arbeit von Just Diggit zu Gute kommen.

NGO Justdiggit

Nach dem Motto „If we can warm up the earth we can also cool it down” und dem Ansatz, dass die Vegetation auf unserer Erde unsere Klimaanlage ist, betreut Justdiggit erfolgreich mehrere Wiederbegrünungsprojekte in Afrika, in dem sie vor allem verschiedene Techniken Regenwasser zu sammeln anwenden, um dieses dann in der Landwirtschaft zum Einsatz zu bringen.

Das vom niederländischen Künstler und Designer Antoine Peters designte Floor Shirt beschreibt er selbst als „conversation-starter“. So mag das Design zunächst eher gefällig wirken, beim näheren Hinschauen werden die Symbole lesbar: sie zeigen die verschiedenen Schritte der Wiederbegrünungsprojekte von Justdiggit.

Kuyichi – Pure Goods und das Floor Shirt

Kuyichi, die mit dem Verkauf der T-Shirts vor allem auf die globale Erwärmung aufmerksam machen wollen, hat für ihre Fashion Statement Tees dazu noch eine tolle Kampagne entwickelt. Zusammen mit den Influencern, Designern und Aktivisten Jordy CasteleijnMerrel WesthofSauka Pedro AliCeleste van Joost und Elke Salverda sind tolle Fotos entstanden, die das Konzept der verschiedenen Stadien der Arbeit von Justdiggit zeigen: Man beginnt mit der Erde, bringt das Wasser zurück und die Erde kann wieder etwas hervorbringen.

Ich finde diese Zusammenarbeit ist so unglaublich vielschichtig und ich freue mich sehr, dass ich heute hier ein ethisch und ökologisch fair produziertes Floor T-Shirt von Kuyichi verlosen darf. Bitte hinterlass einen Kommentar unter diesem Blogpost bis heute (22.4.18) Abend 24 Uhr CET. Die / den GewinnerIn werde ich morgen im nächsten Post zur Blogtour bekannt geben.

Kostenloses Schnittmuster “Rock Margo”

Und da neben solchen Labels wie Kuyichi und vielen weiteren, von denen ich dir ein paar in der nächsten Woche hier vorstellen möchte, natürlich das Nähen und Selbermachen der eigenen Kleidung nicht minder nachhaltig ist, habe ich heute auch ein neues kostenloses Schnittmuster für dich. Vielleicht schafft es ja die ein oder andere den Rock Margo noch in dieser Woche zu nähen und unter #imademyclothes @schnittchenpatterns zu zeigen.

Ich wünsche dir viel Spaß mit dieser Blogtour und freue mich auf deine Kommentare und Meinungen!

(* Infos aus der aktuellen Ausgabe des Werde Magazins; So fair ist Mode jetzt; Das Frühlingsheft 2018 /

Alle hier abgebildeten Fotos zur aktuellen Kampagne von Kuyichi
>> ©Kuyichi )

Schnittmuster Mantel Marion in German Tweed

Ein bißchen hat es gedauert meinen Mantel Marion fertig zu stellen. Aber jetzt kommt er dann doch gerade richtig zu den noch frischen Morgen und Abenden hier in München. Heute möchte ich ihn Euch endlich zeigen und Euch auf eine Stoffmanufaktur aus Deutschland aufmerksam machen, die mir diesen tollen Stoff zur Verfügung gestellt hat und die in der nächsten Woche noch eine größere Rolle hier im schnittchen Blog spielen wird…

Es ist die Firma Zuleeg, die seit 90 Jahren im schönen Oberfranken hochwertige Bekleidungsstoffe produziert und seit ein paar Monaten einen Online-Shop hat in dem sich auch Hobbyschneiderinnen die wunderschönen und hochwertigen Stoffe bestellen können. Alle Stoffe werden in der eigenen Weberei hergestellt und auch die Wolle und die Fasern kommen zu einem großen Teil aus Deutschland.

Für meinen neuen Mantel Marion habe ich mir einen Stoff aus der German Tweed Kollektion ausgesucht. Das Tolle an dieser Kollektion ist, daß wirklich alles was zum Endprodukt führt in Deutschland hergestellt ist: die Wolle stammt von Schafen aus der Schwäbischen Alb und wird dann in einer Zwickauer Kammgarnspinnerei zu Roh- und Farbgarnen verarbeitet. Und am Ende kommt die Wolle nach Helmbrechts zu Zuleeg, wo dann die tollen Stoffe gewebt werden.

Mein Stoff ist ein rot-schwarzer German Tweed, der leider schon ausverkauft ist. Allerdings gibt es noch im Shop bei Zuleeg zwei weitere nicht minder hübsche, andersfarbig melangierte Fischgrät-Tweeds sowie ein karierter und einer in uni. Und ich kann Euch sagen: es bringt so einen Spaß diesen Stoff zu tragen! Kratzt nicht, fällt superlocker und soft und hat eine tolle Temperatur!

Der Stoff eignet sich super für den Mantel Marion, er würde aber auch sehr gut zum Coatigan Silvia passen.

Vielleicht habt Ihr ja Lust noch mehr über Zuleeg zu erfahren oder Euch interessiert das Thema Nachhaltigkeit und Nähen. Dann empfehle ich Euch in der nächsten Woche jeden Tag mal hier im Blog vorbei zu schauen!

zum Zuleeg Shop geht es hier entlang
Zuleeg @Instagram