Kategorie: Featured

Zoe vom Blog “So Zo..” über den Me Made May und eine nachhaltige Garderobe – eine “Merle” von Erlich Textil zu gewinnen

>> in English

Es ist bald Mai und da klingelt es bei vielen Hobbyschneiderinnen, denn dann wird es wieder viele, viele Beiträge auf Instagram, Facebook und in Blogs mit dem Hashtag  #memademay oder für die Profis #mmmay18 geben. Ins Leben gerufen hat diese Challenge Zoe vom Blog “So Zo…What do you know“.

Zoe passt wunderbar hier in unsere Blogtour zur Fashion Revolution Week. Nicht nur, weil sie mit ihrem Me Made May Projekt den Fokus auf die Wertschätzung (selbstgemachter) Kleidung legen will, sondern weil sie schon vor einigen Jahren viele Beiträge zu Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der eigenen Garderobe geschrieben hat und immer wieder über die verschiedenen Aspekte dieses Thema reflektiert.

Ich freue mich sehr, daß Zoe sich in der stressigen Vorbereitungszeit zum Me Made May 2018 bereit erklärt hat mir ein paar Fragen zu beantworten.

Interview mit Zoe vom Blog “So Zo…

 

Liebe Zoe, Me Made May ist inzwischen eine Art Institution in der Nähcommunity geworden und viele Hobbyschneiderinnen nehmen jedes Jahr an dieser Challenge teil. Bitte erzähl uns doch wann Du Me Made May ins Leben gerufen hast und worum es genau geht?

Me-Made-May ist eine Aktion, die Menschen ermutigen soll, ihre Kleider selbst zu machen oder zu -nähen, um eine bessere Beziehung zu dieser dann handgefertigten Garderobe zu entwickeln.

Das Ganze begann im Jahr 2010. Damals lebte ich in Barcelona und ich habe angefangen immer mehr meine Kleidung selber zu machen. Dabei habe ich angefangen immer mehr darüber nachzudenken was die Motivation für das Selbermachen ist und welche Bedeutung selbstgemachte Kleider letztendlich haben bzw. haben können. Ich wollte mich selbst testen und sehen, wie weit ich beim Selbermachen gehen, wie weit ich mich auf mein eigenes Können verlassen kann. Und so habe ich angefangen alle möglichen Arten von Kleidungsstücken auszuprobieren und bin immer weiter gegangen und habe irgendwann sogar Sachen wie Unterwäsche oder Mäntel selbst genäht…

Zunächst war es also eine persönliche Challenge, die ich dann in einem wärmeren Monat – das erste Mal hatte ich mich dieser Herausforderung im März gestellt  – wiederholen wollte. Ich wählte dann den Monat Mai und berichtete in meinem Blog davon, weil ich sehen wollte, ob das auch für andere interessant wäre. Mein persönliches Versprechen, das ich im Blog veröffentlichte, war nur selbstgemachte Sachen zu tragen außer BHs, Strumpfhosen, Socken und Schuhe. Für die anderen habe ich es offen gelassen mit zu machen oder sie konnten sich ihren eigenen Herausforderungen stellen und danach handeln. Ich dachte, dass nur eine Handvoll Leute daran interessiert wären, aber gleich im ersten Jahr haben sich 80 Leute angemeldet und seitdem ist der Me Made May immer weiter gewachsen und es machen mittlerweile soviele mit daß ich es kaum glauben kann

In Deinem Blog schreibst Du, daß “Nähen und Redesignen (…) einen großen Teil Deines Wunsches ausmacht, ein nachhaltigeres und authentischeres Leben zu führen”. Was meinst du damit genau und wie beeinflusst es deinen Alltag?

Ich denke, dass sich die Bedeutung dieses Satzes für mich im Laufe der Jahre etwas verändert hat. Vor sechs Jahren, als ich ihn geschrieben hatte, habe ich bei einer Textilrecycling-Wohltätigkeitsorganisation namens TRAID gearbeitet, die hier in Großbritannien ansässig ist. Meine Aufgabe bestand darin, eine kleine Auswahl an Damenbekleidung aus gespendeten Textilien – ausrangierte Stoffe und Kleidungsstücke  –herzustellen. Durch diesen Job hatte ich also auf einmal Zugang zu nicht mehr gebrauchten Kleidungsstücken, die ich auch für meine privaten Nähprojekte verwenden konnte. Meine Idee damals war Kleidung, die eigentlich auf dem Müll landen würde durch meinen Job und durch mein Hobby wieder zu neuem Leben verhelfen, indem ich daraus wieder neue, tragbare Kleidung mache.

Jetzt wo ich nicht mehr bei TRAID arbeite und nicht mehr in der Form auf alte, ungenutzte Kleidung zurückgreifen kann, die ich dann abändere, bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Art zu nähen noch als nachhaltig bezeichnen würde: ich greife genauso auf Stoffe zurück, wie jede andere Hobbyschneiderin.

Vor kurzem habe ich einen Blogbeitrag geschrieben, in dem ich ausführlicher darüber schreibe, wie schwierig es sein kann, Nähen als ein nachhaltiges Tun zu beschreiben. Dennoch denke ich, dass mit dem Nähen der eigenen Kleider sicher ein höheres Maß an Nachhaltigkeit erreicht werden kann, wie wenn man sie zu kauft. Denn durch das Nähen haben wir die Möglichkeit, Kleidung zu kreieren, die wir oft länger tragen als gekaufte. Das liegt daran, dass wir durch das Nähen von Kleidung von Grund auf die vollständige Kontrolle über jedes Element haben: Stil, Stoffqualität, Farbe bis hin zu Verzierungen – alles können wir selbst bestimmen. Wir können unsere Kleidungsstücke, die wir haben wollen, fast genau so gestalten, wie wir sie uns wünschen und sogar der eigenen, einzigartigen Körperformen anpassen. Bis man dahin kommt braucht es natürlich viel Zeit und Übung (und leider jede Menge Stoff…:)) aber wenn man auf einmal wirklich ein paar ganz besondere Stücke geschaffen hat, ist es viel schwieriger, sie in die Altkleidersammlung zu bringen als ein Kleidungsstück, das man aus einer Laune heraus gekauft hast als man zufällig durch die Einkaufsstraße geschlendert ist.

 

Du hast schon vor drei Jahren einen tollen Artikel darüber geschrieben wie man es zu „einen nachhaltigen Kleiderschrank schafft“. Hier schreibst du auch, daß man “Kleider ausbessern, verändern und anpassen” sollte, die man gerade nicht mehr tragen will. Was wären deine Tipps für diejenigen, die nicht Nähen können aber trotzdem eine auf eine nachhaltige Garderobe umsteigen wollen?

Ich denke fast jede Stadt hat ein Geschäft, das Kleidung verändern oder reparieren kann. So könnte man natürlich dort Kleidungsstücke anpassen oder reparieren lassen, wenn man nicht nähen kann. Wenn du das Kleidungsstück trotz seines Makels irgendwie noch magst, bist du es vielleicht sogar denjenigen schuldig, die den Stoff hergestellt und das Originalkleid genäht haben, sich darum zu kümmern und ihm ein möglichst langes Leben in Deinem Kleiderschrank zu gewährleisten.

Du arbeitest freiberuflich als Nählehrerin, organisierst einen Handmade Markt und stehst außerdem durch den Me Made May in einem regen Austausch mit der Nähcommunity. Denkst Du, dass es einen Bewusstseinswandel bezüglich des Konsums von Kleidung gibt? Meinst Du, dass Hobbyschneiderinnen sich immer mehr der Nachhaltigkeit ihres Hobbys bewußt sind und dann auch vermehrt auf fair produzierte Stoffe zurückgreifen?

Ich habe definitiv das Gefühl, dass innerhalb der Nähergemeinschaft mehr und mehr Gespräche über Nachhaltigkeit geführt werden und was das das Selbernähen für einen Haushalt bedeuten kann. Zum Beispiel hat der Podcast “Love to Sew” kürzlich eine exzellente Episode zu dem Thema produziert, bei der die Moderatoren viele Aspekte diesbezüglich aufgegriffen haben. Ich denke jedoch, dass die Nähgemeinschaft im Allgemeinen noch weit davon entfernt ist herausfinden zu wollen, wie man so nachhaltig wie möglich näht. Aber hoffentlich kommen wir bald dorthin um die negativen Umweltauswirkungen, die unser Hobby natürlich auch mit sich bringt zu begrenzen.

Ich glaube aber leider nicht, dass die meisten Konsumenten von Massenbekleidung einen Bewusstseinswandel als Ganzes erfahren, oder zumindest nicht so schnell, wie es eigentlich passieren müsste. Vor fünf bis zehn Jahren wurde in den Medien viel über Ausbeutungsarbeit geredet. Zahlreiche Artikel, Bücher und Dokumentationen wurden herausgegeben und wir haben viel erfahren über die entsetzliche Realität der Bedingungen, in denen Stoffe und Kleidung hergestellt werden. Aber die Modeindustrie hat es weitgehend versäumt, auf Forderungen zu reagieren und ihre Wertschöpfungskette transparenter zu machen. Die besonders gewissenhaften Verbraucher wissen gar nicht, wie man sich ethisch sauber anziehen kann. Der Bekleidungsindustrie ist es gelungen, abzuwarten bis die Aufmerksamkeit abgeklungen ist und abgesehen von dieser großartigen Fashion Revolution Week, wird diesem Thema wieder viel zu wenig Zeit eingeräumt. Das zeigt aber auch, wie enorm wichtig diese Woche der vollen Aufmerksamkeit für dieses Thema ist.

Die Fashion Revolution Week wird jährlich zum Gedenken an das Unglück der Rana-Plaza-Textilefabrik in Bangladesch organisiert. Was hast du gedacht, als dieser Unfall passiert ist?

Der Einsturz der Rana Plaza Fabrik war wirklich herzzerreißend. Ich glaube, dass die Tragödie bestätigt hat, dass sich in der Bekleidungsindustrie nichts verändert hat, trotz aller Exposés und Dokumentationen wie z.B. True Cost. Der Kampf gegen die Ausbeutung von Arbeitern in Entwicklungsländern ist ein mühsamer Kampf, der vor allem auf das derzeitige neokapitalistische Finanzsystem zurückzuführen ist. Es wird viele Unternehmen und vor allem Einzelpersonen brauchen, um Stellung zu beziehen und die finanziellen Auswirkungen für einen signifikanten Umbruch innerhalb der Branche zu akzeptieren.

Wenn man an ein nachhaltiges und authentisches Leben denkt, geht es nicht nur um Mode oder Textilindustrie, sondern auch um Essen, Reisen, Umweltverschmutzung, Computer, Smartphones und so weiter. Frustriert dich diese niemals endende Liste manchmal oder hast Du für Dich da einen guten Weg gefunden?

Ich bin frustriert und überwältigt von der Ungeheuerlichkeit des Schadens, den wir jeden Tag dem Planeten und einander zufügen. Vor ungefähr acht Jahren hab ich ein ausgezeichnetes und erschreckendes Buch mit dem Titel “Confessions of a Eco Sinner: Reisen, um herauszufinden, wo meine Sachen herkommen” von Fred Pearce gelesen, das viel dazu beigetragen hat, mir das wahre Ausmaß von allem näher zu bringen. Es ist definitiv eines jener Bücher, von dem ich mir wünschen würde, alle auf der Welt würden es lesen. Oft fühlt es sich völlig sinnlos an, alleine für sich ein nachhaltigerer Lebens zu führen, aber es liegt wirklich an uns, die wir in reichen, entwickelten Ländern leben, es wenigstens zu versuchen. Dieser Planet wird in einem solch schrecklichen Zustand an unsere Kinder weitergegeben werden, und ich möchte meinen beiden Kindern in die Augen schauen können und ihnen von einigen der Dinge erzählen, die ich versucht habe, zu verändern und zu verbessern.

Aber zurück zum Gefühl des Überwältigtseins. Es ist wichtig, daran zu denken, dass Veränderungen in der Welt wirklich passieren können, und wenn ich mich vom Ausmaß der Probleme überwältigt fühle, versuche ich, mich auf einen Bereich oder Aspekt zu konzentrieren, den ich gut kenne und von dem aus ich loslegen kann. Mein Bereich ist auf alle Fälle das Nähen und Kleidung, also versuche ich vor allem hier die Welt ein bisschen besser zu machen. Ich achte auch auch bei anderen Dingen darauf mein Leben und Zuhause zu verbessern, indem ich diese ausprobiere und mit anderen darüber rede. Einige kleine Dinge, die ich in letzter Zeit gemacht habe, sind der Kauf von biologisch abbaubaren Bambuszahnbürsten und die wöchentliche Lieferung von Bio-Obst- und Gemüsekisten, um Einwegverpackungen aus Kunststoff und Plastik zu reduzieren. Ich weiß, dass ich niemals ein perfekter Öko- (Nicht-) Verbraucher sein werde, aber das bedeutet nicht, dass es nicht sinnvoll ist, meinen eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern. Wenn alle aktiv daran arbeiten würden, ihren eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern, hätte das global einen großen Einfluss. Alles, was wir tun können, ist zu versuchen, Dinge zu verbessern und darüber zu reden, in der Hoffnung, andere dazu zu inspirieren, es auch zu versuchen.

Liebe Zoe, ich danke Dir sehr herzliche für die reflektierten und persönlichen Einblicke in Dein Verständnis von Nachhaltigkeit und die vielen Tipps! Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Me Made May!

*

Hier kannst du dich beim MeMadeMay 2018 anmelden!

Auch bei dem diesjährigen Me Made May geht es darum jeden Tag im Mai selbstgemachte Kleidung zu tragen und zu dokumentieren. Ausgenommen sind Wäsche, Socken, Strumpfhosen und Schuhe.

Gerade bei Wäsche ist es schwierig fair produzierte zu finden, die dann auch noch bezahlbar ist und auch das gewisse Etwas hat. Deswegen möchte ich die heute Erlich Textil aus Köln vorstellen, ein 2015 gegründetes Label für Wäschprodukte, die in Europa aus nachhaltigen Materialien hergestellt und über den Onlineshop zu einem dazu noch fairen Preis verkauft werden.

***

authentisch – erliches design

Wir versprechen dir, dass wir die Textilien von erlich immer authentisch, einfach und unaufgeregt, aber ins Detail zu Ende gedacht gestalten. Wir werden stets zeitlos klare Produkte entwerfen, die die Basis für deine moderne Garderobe bilden und in denen du dich noch nach Jahren so wohlfühlen wirst, wie am ersten Tag. Und wir versprechen dir, dass das auch so bleibt.

hochwertig – erliche qualität

Wir versprechen dir, dass wir immer, bei jedem Stoff, bei jedem Knopf, von jedem Faden bis in die letzte Faser nur die beste Qualität verwenden. Wir suchen jedes Teil mit größter Sorgfalt aus, um alles für dein tägliches Wohlfühlgefühl auf der Haut zu tun. Und wir versprechen dir, dass du das spüren wirst.

nachhaltig – erlich nachhaltig

Wir versprechen dir, dass wir immer auf höchste Sozialstandards, Transparenz, fairen Handel, kurze Lieferwege und den schonenden Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten achten. Wann immer wir eine Möglichkeit sehen, die Dinge anders und besser zu machen, werden wir das tun. Für dein und für unser Wohlfühlgefühl.

direkt – erliche preise

Wir versprechen dir, dass wir alles dafür tun, dass du dich mit unseren Preisen stets so wohlfühlst, wie mit unseren Produkten. Wir verzichten auf alles, was den Preis unnötig erhöhen könnte und versenden die Produkte direkt aus der Fertigung zu dir. Zu einem Preis, mit dem du dich wohlfühlen kannst.

 

(Quelle: Webshop Erlich Textil, “Unser Versprechen”)

***

Heute darf ich einen BH Merle hier verlosen. Wer sich über ein “Drunter” unter selbst genähten Kleidung freuen würde, der kann hier bis heute Abend (26.4.) 24 Uhr einen Kommentar hinterlassen. Die / den GewinnerIn gebe ich morgen im Blog bekannt.

Doppelt und dreifach gut! Das Label “Jyoti” aus Berlin

>> in English

Am dritten Tag der Fashion Revolution Blogtour hier im schnittchen Blog möchte ich dir ein Projekt vorstellen, das seinen Ursprung im indischen Chittapur hat. Dort verbrachte 2008 die damals 19jährige Jeanine Glöyer ihr freiwilliges soziales Jahr und baute im Sozialzentrum Jyoti Seva Kendra, was soviel heißt wie “Jemandem das Licht bringen”, gemeinsam mit den Nonnen vor Ort eine kleine Nähwerkstatt auf.

Eigentlich als kleines Projekt für benachteiligte Frauen aus der Region gedacht ist daraus “Jyoti – Fair Works” geworden ein Modelabel, das auf der einen Seite den Frauen aus Chittapur eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben gibt und auf der anderen Seite faire und ökologisch-nachhaltige Mode produziert.

Ich freue mich sehr, dass Carolin Hofer, die sich vor allem um die Wertschöpfungskette und Transparenz der Produkte kümmert und die Kontakte zu den Stoffhändlerin pflegt, mir ein paar Fragen beantwortet hat.

** Ich möchte noch auf die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Werde” mit dem Titel “So fair ist Mode jetzt” hinweisen. Hier gibt es einen langen Artikel über Jyoti, der alle Aspekte des so vielschichtigen Unternehmens beleuchtet. Oder klick rüber auf die Seite von Jyoti, wo man auch noch mal genauer nachlesen kann, was Jyoti alles leistet.

Carolin Hofer von Jyoti – Fair Works mit zwei Näherinnen

Interview mit Carolin Hofer von “Jyoti- Fair Works

 

Ich folge Jyoti schon länger auf Instagram und habe kürzlich einen tollen Beitrag über Euch in der Zeitschrift „Verde“ gelesen. Viel (Pionier)-Arbeit steckt in Eurem Projekt und sicherlich oft frustrierende Momente. Was hält Euch „bei der Stange“ und motiviert Euch immer wieder aufs Neue Euren Prinzipien treu zu bleiben?

Natürlich ist es manchmal frustrierend am Alex immer noch Scharen von jungen Menschen mit Primark Tüten einsteigen zu sehen und natürlich läuft bei uns intern auch nicht immer alles glatt und wir schlagen uns mit verspäteten Lieferungen, der Indischen Post, Steuern und Co rum. Aber das wird alles mehr als wieder gut gemacht durch die Erfolge, die wir auf der anderen Seite sehen. Ein riesen Motivator sind unsere Kunden und ihr Feedback. Wir kriegen wöchentlich so viele liebevoll geschriebene Postkarten und nette E-Mails voll Lob und Begeisterung, die uns unglaublich viel Kraft geben. Wir lesen uns diese Nachrichten hier im Büro dann immer laut vor und sind überzeugt – wir haben die nettesten Kunden dieser Welt. Und daneben ist natürlich die Arbeit in Indien unglaublich motivierend. Dazu gehört zu sehen wie sich die Frauen Jahr für Jahr besser werden und uns in ihren Nähfertigkeiten längst weit überholt haben, dass sie Jyoti als ihr Business ansehen und riesiges Interesse am „German Market“ und dem Feedback der Kunden haben. Dazu gehört aber auch mitzubekommen wie sich die Frauen jetzt ihrerseits für die Ausbildung ihrer Töchter einsetzen, und ganz klar erkennen, wie wichtig sie für deren späteres Leben ist. Und schließlich gehört dazu das unglaubliche Potential in Indien zu entdecken. Wir finden jedes Jahr aufs neue wunderschönen Materialien wie Peace-Silk oder Wolle oder entdecken ausgefeilte Webtechniken wie Ikat oder filigranste Musterwebungen, und manchmal sitzen wir dann hier in Berlin einfach nur verträumt vor einem Stapel Stoffe und freuen uns schon ein Jahr im Voraus auf die Kollektion.

Jyoti ist ja nicht nur ein Label für fair und nachhaltig produzierte Kleidung, sondern auch ein soziales Projekt. So unterstützt Ihr mit Eurer Werkstatt in Chittapur Frauen in die Selbstständigkeit zu kommen und in einem guten Umfeld arbeiten zu können. Spricht sich Eure Arbeit vor Ort rum und könnt Ihr damit das Selbstbewusstsein der Frauen insofern stärken, dass sie evtl. bei anderen Arbeitnehmern bestimmte Bedingungen einfordern?

Ja, unsere Arbeit spricht sich auf jedenfall rum. Chittapur ist ein kleines Dorf und die NGO Jyoti  Seva Kendra, mit der wir vor Ort zusammenarbeiten ist durch ihre Arbeit mit Frauen und Kindern sowieso schon sehr bekannt und genießt hohes Ansehen. Wir bekommen laufend Bewerbungen von anderen Frauen aus dem Dorf, die Arbeit bei Jyoti ist also auf jedenfall attraktiv für viele. Und ja, Selbstvertrauen können wir damit bestimmt stärken. Schon alleine die finanzielle Unabhängigkeit von ihren Männern bzw. die wichtige ökonomische Rolle, die sie in der Familie einnehmen, aber auch durch die Arbeit außer Haus, die Interaktion mit Stoffhändlern und Mitarbeiterinnen, sind für die Frauen, die vorher meist von Zuhause aus sehr gering bezahlter Arbeit wie bspw. Räucherstäbchen drehen nachgingen, genug Grund für große Veränderungen in ihrer Selbstwahrnehmung. Ich denke aber der wichtigste Effekt auf evtl. spätere Beschäftigungsverhältnisse sind die Kompetenzen, die die Frauen erwerben, sowohl als Näherinnen als auch in Workshops zu Selbstständigkeit, zu Bankkonten oder zum Geld sparen, so dass sie als qualifizierte Arbeitnehmerinnen einen guten Job annehmen können und nicht schon durch die fehlende Ausbildung in „Ausbeuterjobs“ gedrängt werden.

Wie ist Euer Verhältnis zu den Frauen vor Ort? Könnt Ihr kurz beschreiben, wie die Arbeit für die Frauen bei Jyoti geregelt ist und für was Ihr in diesem Zusammengang Sorge tragt?

Das Verhältnis zwischen uns und den Frauen in Indien ist sehr persönlich und vertraut. Sie kennen Jeanine und mich seit vielen Jahren und wenn wir vor Ort sind arbeiten wir jeden Tag sehr eng zusammen. Außerdem werden in der Gruppe viele Probleme diskutiert (und gelöst),  da weiß jede über die Lebenssituation der Anderen Bescheid. Jyoti wird ganz klar als Projekt oder Unternehmen wahrgenommen, an dem wir alle zusammen arbeiten. Das indische und das deutsche Team sind gleichwertige Partner, die viel Verantwortung tragen ihre jeweiligen Aufgaben ordentlich zu erledigen. Sie das Nähen und wir das Design und den Verkauf:)

Die Frauen fangen bei uns jeden Morgen um 10 an zu arbeiten, haben dann um 13 Uhr eine Stunde Mittagspause und nachmittags wird nochmal von 14-17 Uhr gearbeitet. Die Zeiten haben wir mit den Frauen zusammen festgelegt, abgestimmt auf ihre sonstigen Verpflichtungen zuhause und andere Bedürfnisse. Wer mal keine Zeit hat, kann sich natürlich freinehmen, das geht alles sehr spontan und kommt oft vor, da es in Indien viele Familienfeste und religiöse Feiertage gibt. Die Frauen stimmen sich dazu aber einfach untereinander ab, da mischen wir uns gar nicht groß ein. Früher täglich, jetzt nur noch von Zeit zu Zeit, gibt es nach der Mittagspause noch einmal eine Stunde Englisch Unterricht. Inzwischen sprechen die Frauen sehr gut Englisch und wenn neue Mitarbeiter dazu kommen lernen die sehr schnell von den Anderen und durch den Austausch mit uns. Auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter wird von der Gruppe geregelt. Die Älteren, Erfahrenen üben dann solange mit den Neuen, bis die Produkte deren Qualitätsprüfung standhalten. Und natürlich gibt es in der Ausbildung keine Grenzen, gemeinsam arbeiten wir ständig an neuen Schnittkonzepten und halten in Indien Workshops zu speziellen Nähtechniken oder aber auch zu Themen wie Selbstständigkeit, Geldanlage, etc… Zusätzlich zu diesen „professionellen“ Anreizen, bieten wir den Frauen zinslose und subventionierte Kredite, für private Investitionen im Gesundheits- oder Bildungsbereich und führen bspw. regelmäßige Health Check-Ups durch.

Die Stoffe für Eure Kollektionen sind wunderschön und alle ausschließlich handgewebt von kleinen Familienbetrieben oder Kooperativen. Ihr selbst verschafft Euch immer wieder einen Überblick und inspiziert Eure Zulieferer persönlich. Außerdem sorgt Ihr dafür, dass das Geld wirklich bei den Webern ankommt. Wie macht ihr das?

Vielen Dank für das Kompliment!:) Ja richtig, die Stoffhändler kennen wir alle sehr gut und genauso wie mit den Frauen haben wir inzwischen auch mit vielen von ihnen ein sehr persönliches Verhältnis. Mindestens einmal im Jahr fahre ich für die Auswahl der Stoffe, Zeitplanungen für die kommenden Lieferungen, das Entdecken neuer Webtechniken und ja – auch fürs Zusammensitzen und Chai trinken nach Indien zu den Händlern. Die Händler – das heißt kleine Kooperativen zu denen sich viele Weber zusammen geschlossen haben oder Familienbetriebe, die oft auch zusammen mit den Nachbarn eine Verkaufsgemeinschaft bilden. Dadurch dass wir direkt mit diesen im Kontakt stehen und keine Mittelsmänner einschalten oder den Einkauf der Stoffe outsourcen, stellen wir sicher, dass das Geld das wir zahlen nicht in den Taschen von irgendwelchen Vermittlern, sondern direkt beim Weber landet.

Carolin Hofer im Gespräch mit einem Stoffhändler in Indien

Wer entwirft die Modelle für Jyoti und was ist Euch bei den Designs wichtig?

Das Design übernehmen wir selbst und ist eine unserer Lieblingsaufgaben 🙂 Immer im Januar und Juli setzen wir uns zusammen um erste Ideen für die Kollektion im kommenden Jahr zu sammeln und in den folgenden Wochen und Monaten arbeiten wir diese vagen Ideen aus zu konkreten Schnitten und schließlich Probestücken. Jeanine und ich haben beide keine Ausbildung im Design oder Schnitttechnik hinter uns, und durch die Arbeit bei Jyoti natürlich eine Menge gelernt, aber lange nicht so professionell wie wir unsere Kleidung gerne haben wollen;) An dieser Stelle bekommen wir Unterstützung von Experten. Seit letztem Sommer ist Mareike bei uns mit im Team, sie hat Modedesign studiert und kann aus unseren Vorstellungen und Ideen handfeste Schnitte erstellen, mit denen wir dann nach Indien reisen und sie den Frauen vorstellen. Bei den Designs versuchen wir auf Alles zu achten, was unsere Produkte nachhaltiger machen kann. Natürlich wollen wir keinen Trends hinterherlaufen, die nach wenigen Monaten nicht mehr angesagt sind, sondern möglichst zeitlose Schnitte entwerfen. Dazu gehört auch die Zeitlosigkeit übers Jahr hinweg, bspw. Sommerkleider, die sich im Winter mit langem Rolli und Stiefeln kombinieren lassen und Zeitlosigkeit über die Veränderungen unseres Körpers hinweg, also Schnitte die sich an verschiedene Figuren anpassen, gebunden oder gewickelt werden können. Daneben versuchen wir den Verschnitt, der beim Zuschneiden anfällt, stark zu reduzieren oder optimalerweise ganz zu vermeiden. In den letzten Wochen hat Mareike wahre Wunder des Puzzelns vollbracht und wir werden in der Kollektion Sommer 2019 zwei Zero-Waste-Produkte vorstellen, bei deren Zuschnitt wirklich kein einziger Zentimeter Stoff weggeworfen wird. Und dass die Stücke am Ende auch noch schön aussehen sollen, muss ich wahrscheinlich nicht zu erwähnen… Da verlassen wir uns meistens ganz auf unseren eigenen Geschmack und überlegen was wir nächstes Jahr am Liebsten im eigenen Kleiderschrank sehen wollen;)

Was hat sich in Eurem eigenen alltäglichen Lebensstil geändert seitdem Ihr mit Jyoti wirkt?

Ich denke diese Frage meinst du in Bezug auf unser Einkaufverhalten?! Ich würde sagen, dass wir alle auch schon vor Jyoti sehr bewusst konsumierende Menschen waren und uns vielleicht auch deshalb hier zusammen gefunden haben 😉 Trotzdem wird man durch unsere Arbeit jeden Tag aufs neue sensibilisiert für die Auswirkungen unseres Konsums und gleichzeitig motiviert es anders zu machen. Ich kann nur für mich sprechen aber eine konkrete Änderung wäre bspw. das Einkaufen bei anderen Fair Trade Labels. Das klingt vielleicht erstmal komisch – sollte ich das nicht sowieso machen? – aber ich habe lange Zeit ausschließlich Second-Hand-Kleidung gekauft und finde ehrlich gesagt 95% meiner Kleidung immernoch auf Flohmärkten. Durch die Arbeit bei Jyoti sind aber viele andere kleine Labels auf die Bühne getreten, und weil man weiß, wie wichtig die Arbeit ist, die dort geleistet wird und wo es ankommt, wenn man dann schweren Herzens 150€ für ein Kleid zahlt, kommt das jetzt alle Jahre auch mal vor. Ich bin auf jedenfall auch viel radikaler geworden in meinen Ansichten und sehr viel strenger mit mir selbst bei der generellen Frage danach was ich wirlich brauche.

Jyoti gibt es jetzt seit ein paar Jahren. Könnt Ihr schon einen Wandel hin zu einem sagen wir mal „weniger ist mehr” feststellen? Wie würdet Ihr Euren KundenInnen beschreiben?

Ja genau, Jyoti hat im Jahr 2010 als kleines Projekt angefangen und im Jahr 2014 haben wir dann offiziell das Unternehmen gegründet und im Sommer darauf auch die erste Kleidungskollektion verkauft. „Weniger ist mehr“ sollte natürlich für jedes Fair Trade Label mit ganz oben auf der Grundsatz-Liste stehen und wir selbst verwirklichen diesen Slow Fashion Ansatz durch kleine und wenige Kollektionen, gute Qualität, die Produkte lange leben lässt und die Ermunterung unserer KundInnen den Wert der Kleidung anzuerkennen und dementsprechend gut damit umzugehen, sie ggf. zu reparieren usw. Durch das Feedback, dass wir von unseren KäuferInnen bekommen, können wir davon ausgehen dass diese Idee durchaus auch ankommt. Wir bekommen auch manchmal E-Mails mit Nachfragen ob wir abgefallene Knöpfe nochmal schnell annähen, Hosen kürzen oder eine aufgegangene Naht schließen können. Da wir fast ausschließlich online verkaufen ist es aber natürlich schwierig zu beurteilen inwiefern unsere KundInnen tatsächlich eine bewusste Entscheidung für weniger Konsum getroffen haben oder unsere Produkte einfach nur sehr schön finden und im Schrank neben 70 anderen Stücken aufreihen;) Ich denke aber dass alleine der Preis für faire Mode bei unseren KundInnen ein gewisses Verständnis für „weniger ist mehr“ voraussetzt und ganz konkret am persönlichen Kontakt mit KäuferInnen, merken wir auch deutlich, dass das Interesse an globalen Lieferketten und Transparenz in der (Mode)Industrie steigt! Viele KundInnen fragen uns Löcher in den Bauch um sich wirklich von jedem Wertschöpfungsschritt ein genaues Bild machen zu können. Das muss dann ja auch irgendwie in Wertschätzung für die Arbeit die dahinter steckt resultieren..:)

Was wünscht Ihr Euch konkret für die Zukunft Eures Unternehmens?

Puh, das ist eine große Frage… und manchmal drücken wir uns mit „schauen wir mal“ vielleicht auch selbst ein bisschen drumherum 😉 Aber ein paar konkrete Ziele haben wir schon. Zunächst mal wollen wir weiter wachsen. Die Nachfrage nach unseren Produkten ist in den letzten Jahren konstant gestiegen und vor allem seit diesem Frühjahr überschwemmt uns eine Welle von begeisterten EinkäuferInnen so dass wir mit der Produktion kaum noch hinterherkommen. Die nächsten Schritte wären also, dass wir unser Team in Indien erweitern und noch weitere Frauen einstellen. Da wir so mehr Frauen in Indien erreichen und eine Ausbildung sowie einen guten Arbeitsplatz bieten können, wollen wir das sowieso! Es ist aber vor allem auch notwendig um unsere Produktion auf ein Level zu heben, mit dem wir hier in Deutschland unser Team ausbauen und fair bezahlen können. Wenn wir dann aber mal ein bisschen über unseren kleinen Jyoti – Tellerand hinaus schauen, sollen aber nicht nur wir wachsen, sondern der Markt für faire Mode allgemein. Man könnte sagen wir wünschen uns eine vielfältige, starke Konkurrenz! So dass faire Mode nicht mehr die versteckte Ausnahme, sondern die Regel ist.

Liebe Carolin, vielen Dank für dieses Interview! Ehrlich gesagt finde ich keine Worte für Euren enormen Einsatz und ziehe den Hut…

Das Büro von Jyoti in Berlin
Das Team von Jyoti in Indien

Den 50 € Gutschein von Band of Rascals hat Janina gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Ulrike vom Blog “Moritzwerk” über Nähen und Nachhaltigkeit – Gutschein von Band of Rascals

>> in English

Gestern habe ich dir auf unserer Fashion Revolution Blogtour Lebenskleidung aus Berlin vorgestellt. Vom Stoff geht es jetzt zur Verarbeitung desselben und ich freue mich sehr, daß mir Ulrike vom Blog Moritzwerk Fragen zum Thema Nähen und Nachhaltigkeit beantwortet hat.

Ulrike und ihren Blog kenne ich schon länger und sie kam mir gleich in den Sinn als ich diese Blogtour zur Fashion Revolution Week geplant habe. Denn ihr geht es nicht nur um das schnelle Tun und Selbermachen, sondern da steckt bei Ulrike mehr dahinter. Ihr geht es auch um Nachhaltigkeit, um den Wert der Dinge und um Qualität statt Quantität…

Interview mit Ulrike vom Blog Moritzwerk:

 

Liebe Ulrike, in Deinem Blog schreibst Du unter “Über uns“:

Hier geht’s um das kreative Leben, handgemachtes Design, natürliche Materialien, nachhaltige Ideen, Upcycling-Projekte und individuelle Produkte 

Außerdem kann man hier lesen, daß Dir Nachhaltigkeit am Herzen liegt und Du fast ausschließlich Biostoffe vernähst. Zunächst einmal würde ich gerne wissen seit wann Du nähst, wie Du dazu gekommen bist und ob der Gedanke der Nachhaltigkeit ausschlaggebend für Dich war mit dem Nähen bzw. Selbermachen anzufangen. Oder hat das eine das andere ergeben.

Hallo Silke, vielen Dank für die Einladung zu Deinem Interview. Ich freue mich sehr, dass das Thema der Nachhaltigkeit in der Nähszene immer stärker Fuß fasst und erzähle gern mehr von meinem Verständnis davon.

Ich bin mit Nähmaschinen um mich herum groß geworden, saß schon als kleines Kind gern unter der alten Tret-Singer meines Opas und habe dem Summen des Riemens und dem Klackern der Nadeln gelauscht und auch oft meiner Mama beim Nähen und Stricken über die Schulter geschaut. Dann gab es eine längere Pause und mit ungefähr Anfang zwanzig habe ich mir die alte Maschine meiner Mama geschnappt und einfach mal losgelegt. Zunächst Kissenhüllen und kleine Täschchen, irgendwann habe ich angefangen, gekaufte T-Shirts zu pimpen und mit der Geburt meiner Töchter ging es dann richtig los. Seit 2014 nähe ich nun wirklich regelmäßig, sitze fast täglich an meinen Maschinen und es gibt kaum ein Projekt, dass ich mir nicht zutrauen würde.

Um Nachhaltigkeit ging es mir dabei anfangs überhaupt nicht. Jedenfalls nicht bewusst. Ich bin studierte Produktdesignerin und liebe es, Dinge zu gestalten. Und gerade Kleidungsstücke sind Produkte, die uns so nach kommen, wie sonst kaum etwas. Für mich lag es also nahe, die Produkte, die ich und meine Familie täglich auf der Haut tragen unseren Bedürfnissen anzupassen. Hinzu kommt, dass ich noch nie gern geshoppt habe. Dafür sind meine Vorstellungen immer viel zu konkret und ich bin in Sachen Mode einfach nicht kompromissbereit. Es lag also nichts näher, als die Sache im wahrsten Sinne des Wortes selbst in die Hand zu nehmen.

Der Nachhaltigkeitsaspekt kam erst später dazu. In der Anfangszeit habe ich für meine Kinder oft Sachen aus ausrangierten Kleidungsstücken genäht, weil mir „gute Stoffe“ für meine rudimentären Nähfähigkeiten zu teuer und zu schade waren. Als ich dann vor zwei oder drei Jahren merkte, dass ich das wirklich kann – das Nähen – und dass meine Sachen tatsächlich gern getragen werden, setzte ein Umdenken ein. Seitdem versuche ich immer zu allererst auf Biostoffe zurück zu greifen. Das ist leider nicht bei jedem Kleidungsstück möglich und manchmal verliebe ich mich auch in einen Stoff, der nicht GOTS-zertifiziert ist. Aber ich bin da nicht dogmatisch. Manche Stoffarten gibt es eben (noch) nicht in „bio“.

Du hast Kinder und erlebst wahrscheinlich auch wie schnell das Shirt wieder viel zu klein, bei einer Hose 10x Flicken aufgebügelt werden müssen. Hier ist es finde ich immer wieder eine besondere Herausforderung nicht dann doch schnell die coole Jeans für 10 Euro beim Klamottendiscounter zu kaufen. Hast Du hier auch eine Strategie für Dich entwickeln können?

Klar kenne ich das, aber zum Klamottendiskounter renne ich trotzdem nicht. Wenn die Zeit zu knapp ist zum Selbernähen (und das ist sie leider oft), gehe ich in einen der zwei schönen Second-Hand-Läden hier vor Ort und finde mit hoher Wahrscheinlichkeit das, was meine Kinder gerade brauchen. Wenn doch einmal etwas neu gekauft werden muss, wähle ich hochwertige Kleidungsstücke aus, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gut in der Familie weiter vererbt werden können, oder die auf dem Flohmarkt eine zweite Chance bekommen, um ihren Lebenszyklus maximal zu verlängern. Bei Genähtem versuche ich ein aufwändigeres Projekt möglichst unisex zu gestalten, so dass alle drei meiner Kinder (meine Töchter sind 6 und 4, mein Sohn anderthalb) es theoretisch tragen könnten, zum Beispiel wie beim Wind-und-Wetter-Parka. Das macht natürlich bei Mädchenkleidern wenig Sinn, aber bei Basic-Teilen wie Hosen, T-Shirts, manchen Jacken oder Pullis kann man von vorn herein darauf achten. Leider funktioniert das nur, solange die Kinder mitspielen. Noch lassen sich auch meine großen Töchter gut beeinflussen, aber irgendwann wird der Druck von außen stärker. Dann hilft hoffentlich Aufklärung.

Außerdem habe ich vor kurzem angefangen eine Art „roten Faden“ in die Kleiderschränke meiner Kinder zu bringen, so dass möglichst viele Einzelteile gut zusammen passen, und ich achte schon beim Stoffkauf darauf, möglichst klassische Muster zu wählen und in meinem Farbspektrum zu bleiben, damit am Ende alle gut zusammen passt. Bis das geschafft ist, ist es aber noch ein weiter Weg.

Oft wird gesagt und geschrieben „Nähen ist mein Yoga“, „es entspannt und gibt Ruhe“ usw. Auf der anderen Seite sind da die sozialen Medien und der Drang immer mehr und schneller Bilder und Videos zu produzieren und zu teilen. Wie empfindest Du diese Entwicklung für Deinen Alltag, der ja ganz andere Dinge im Fokus hat.

Als Betriebswirtin und Bloggerin bin ich mir der Wirkung und Bedeutung der sozialen Medien sehr bewusst. Wer nicht oft genug hochwertigen Content liefert, verliert schnell an Reichweite. Ein böses Wort, aber ich möchte es nicht unerwähnt lassen. Denn ohne Reichweite könnten wir unsere Fotos auch ans Küchenfenster kleben, das hätte einen ähnlichen Effekt. Die sozialen Medien erzeugen einen unheimlichen Druck, mit dem man erst einmal umzugehen lernen muss.

Gerade in der Nähszene wird man täglich mit so vielen schönen Bildern von neu genähten Teilen konfrontiert, die einerseits ein wunderbarer Quell von Inspiration sind, andererseits aber den Druck erzeugen, mithalten zu müssen. Dabei widerspricht es doch völlig dem Verständnis von Nachhaltigkeit, wenn man im Wochentakt neue Kleidung produziert, nur um auf Instagram & Co. etwas zeigen zu können.

Darum habe ich Anfang des Jahres den Flatlayfridiy auf Instagram ins Leben gerufen. Ich sah all die schönen selbst genähten Sachen in den Schränken meiner Familie und fand es plötzlich so schade, dass sie nur einmal ihren Auftritt auf dem Blog bekommen und dann scheinbar in der Versenkung verschwinden. Dabei gibt es doch meistens noch so viel mehr Kombinationsmöglichkeiten als dieses eine Outfit, das man am Tag des Fotoshoootings gewählt hat. Für weitere große Fotoshootings habe ich – wie die meisten anderen Näherinnen in der Community – viel zu wenig Zeit. Die Lösung sind Flatlays, also flachgelegte Outfits. Ein gutes Flatlay ist zwar auch nicht in zwei Minuten fotografiert, aber dennoch wesentlich unaufwändiger als ein „echtes“ Fotoshooting. Man braucht eigentlich nur ein gutes Outfit, einen ansprechenden Untergrund und ausreichend Licht.

Mit dem Flatlayfridiy möchte ich auf Instagram ein Gegengewicht schaffen zum Wahn, immer wieder neues produzieren zu müssen. Die Resonanz zu der Aktion war und ist noch immer überwältigend. Oft bekomme ich das Feedback, dass der Flatlayfridiy dazu geführt hat, dass Näherinnen alte, längst vergessene Kleidungsstücke wieder entdeckt und durch ungewohnte Kombinationen neue Lieblingsoutfits gefunden haben. Und ganz nebenbei produziert man noch schönen Content für die sozialen Medien. Der Flatlayfridiy nimmt ein bisschen den Druck aus dem Nähen und macht trotzdem glücklich.

Fair produzierte Stoffe und auch Klamotten haben immer noch ein bißchen den Ruf, daß sie öde und eben öko aussehen. Was meinst Du?

Mittlerweile hat die Bio-Mode ihr muffiges Öko-Image abgelegt und es gibt viele fair produzierende Modeunternehmen, die coole, mainstreamtaugliche Klamotten anbieten, wie Armedangels oder Kings of Indigo. Nur wenn man genau hinschaut, kann man fair produzierte Öko-Mode von konventionellen Kleidungsstücken unterscheiden: Öko-Mode macht nämlich nicht jeden x-beliebigen Trend mit, sondern setzt weitgehend auf ruhige Farben und klassische Schnitte, um nicht gleich nach einer Saison wieder „out“ zu sein und in der Tonne zu landen. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, denn Mode soll ja trotzdem Spaß machen – auch (oder gerade) in nachhaltig.

Für Bio-Stoffe gilt dies auch. Es gibt in der Regel nicht jede Woche neue Kollektionen mit zehn verschiedenen Mustern, Farben und Texturen. Sollte es auch gar nicht. Ich finde, einen wirklich guten Bio-Stoff zeichnet aus, dass er auch nach zwei, drei oder zehn Jahren im Stoffregal noch modern ist. Am Ende kann niemand mehr erkennen, ob ein Pulli aus einem konventionellen oder einem GOTS-zertifizierten Sweat genäht ist, aber wir wissen es und freuen uns heimlich darüber, dass wir die Welt ein klitzekleines bisschen besser machen. Wie „öko“ wir Näherinnen aussehen, haben wir selbst in der Hand. Und wer nicht nähen kann oder will, findet schon jetzt genug nachhaltige Alternativen von der Stange.

Du kennst Dich in der Biostoffszene gut aus! Kannst Du uns vielleicht ein paar Tipps geben woher Du Deine Stoffe beziehst? 

Für Kinder-Kleidung wie T-Shirts und Leggings gibt es kaum etwas besseres als die Jerseys von Nosh (https://en.nosh.fi/). Man bekommt sie in Deutschland vereinzelt in Online-Shops über DaWanda und die volle Kollektion direkt über den Nosh-Online-Shop aus Finnland. Die Versandkosten sind überschaubar, allerdings muss man mit bis zu zwei Wochen Versanddauer rechnen.

Aus Deutschland kommt großartige Maschenware von Albstoffe, die inzwischen in (fast) jedem Online-Shop und Nählädchen zu haben sind. Von schlichten Jerseys bis extravaganten Strick-Jacquards ist fast alles dabei. Der Markt für Bio-Maschenware ist hierzulande offentsichtlich gut versorgt.

Wenn man nach Bio-Webware sucht, wird es schon etwas schwieriger. Die gibt es unter anderem von Cloud9, Birch und C.Pauli. Fündig wird man zum Beispiel bei der Eulenmeisterei (http://eulenmeisterei.de/). Silvia führt ausschließlich GOTS-zertifizierte und Bio-Stoffe, bei denen auch diejenigen ins schwärmen kommen, die verspielte Muster und kräftige Farben mögen. Einige Basics runden das Angebot ab.

Gedeckter geht es bei Siebenblau (http://www.siebenblau.de/) zu. Dieser Shop arbeitet wirklich nachhaltig, ohne irgendwelchen saisonalen Trends hinterher zu laufen und er ist sogar selbst GOTS-zertifiziert. Besonders gut finde ich, dass man Stoffe nach ganz verschiedenen Kategorien anzeigen lassen kann, zum Beispiel nach Anwendungsbereich oder nach Material.

Relativ neu am Meterware-Markt ist Lebenskleidung (https://www.lebenskleidung.com/), das neben ganz klassischen Stoffen wie Ringeljersey und Denim auch einige innovative Produkte wie 3D-Strick und wasserabweisenden Funktionsstoff im Angebot hat – natürlich alles in „bio“. Den Stretchjersey mag ich besonders gern, weil er so schön fällt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass man inzwischen fast überall über Bio-Stoffe stolpern kann. Da hilft manchml nur auf‘s Etikett zu schauen und nach dem GOTS-Siegel Ausschau zu halten oder direkt nachzufragen. Wichtig ist in jedem Fall, sich genau über den einzelnen Stoff zu informieren, denn manche Stoffe sind gar nicht „bio“, obwohl man es vom Anbieter erwartet, und manchmal findet man Bio-Stoffe dort, wo man sie gar nicht vermutet.

Glaubst Du, dass es so etwas wie eine Fashion Revolution geben kann? Wo siehst Du die Chancen dafür, dass es zu einem größeren Bewusstsein beim Kauf von Kleidung kommt?

In der Nähszene ist die Fashion Revolution längst angekommen. Hier ist jedem klar, dass bei einem Shirt für drei Euro etwas nicht stimmen kann. Und das wachsende Angebot an modischen und bezahlbaren Biostoffen trägt zusätzlich zur Nachhaltigkeit beim Nähen bei. Das Bewusstsein für faire Mode ist da und es wächst langsam aber stetig.

Im Ready-to-Wear-Segmet kommt es aber sicherlich sehr darauf an, dass faire Marken an Bekanntheit gewinnen und sich im Mainstream stärker durchsetzen können. Oder dass konventionell produzierende Unternehmen eine Art Selbstverpflichtung eingehen. Gesetzliche Bestimmungen wären auch ein Weg, nur leider ein global schwer durchsetzbarer.

Ich denke, die nachhaltigste Lösung besteht in umfassender Aufklärung, die bereits bei den Kleinsten der Gesellschaft beginnen sollte. Schon in der Grundschule sollten Kinder erfahren, wer ihre Kleidung (und auch die anderen Produkte des täglichen Lebens) herstellt, damit sie zu mündigen, verantwortungsbewussten Konsumenten heranwachsen. Die Thematik muss an Schulen und Universitäten und natürlich auch zu Hause diskutiert werden und in den Medien häufiger anklingen, bis sie nach und nach jeden erreicht hat. Der Weg ist lang und es ist eine generationenübergreifende Aufgabe, der ich mich stelle und für die ich mich einsetze. Macht ihr mit?

Liebe Ulrike, vielen Dank für das spannende Interview mit Dir und die vielen Tipps, die du uns gegeben hast!

***

Ulrike hat zwei Mädels, die sie einkleiden muss. Für alle, die Jungs zu Hause haben (oder deren Töchter lieber coole Jungssachen tragen) gibt es heute einen Tipp in Sachen nachhaltiger Jungsklamotten. Ich selbst bin immer wieder auf der Suche für meine beiden Söhne (8 & 11) und werde bei “Band of Rascals” immer wieder fündig.

Hinter “The Band of Rascals” stehen Peter Blunck und Dirk Rosenthal, zwei Väter, die im Spätherbst 2013 auf einem Kölner Spielplatz  ins Gespräch kamen. Beide stellten fest, dass es zu wenig nachhaltig produzierte Klamotten in guten Design für ihre Söhne gibt und so entstand am Sandkasten die Geschäftsidee: ein Modelabel für Kinder in Bio-Qualität. Produziert wird in Portugal. Dirk Rosenthal arbeitet im direkten Kontakt mit der Näherei zusammen und sorgt für die Einhaltung des strengen Global Organic Textile Standard (GOTS), mit der die Firma zertifiziert wurde. Dieser Bio-Standard garantiert dem Kunden, dass das gekaufte Kleidungsstück umweltschonend und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde.*

(*Good Impact: Faire Kindermode von Band of Rascals)

***

Heute darf ich hier im schnittchen Blog einen 50 € Gutschein von Band of Rascals verlosen! Wer also noch coole T-shirts oder kurze Hosen für seine Kinder sucht, der kann bis heute Abend (24.4.) 24 Uhr unter diesem Beitrag einen Kommentar hinterlassen. Die / den GewinnerIn gebe ich morgen hier wieder im Blog bekannt. Viel Glück!

 

Fairer Stoff von
Lebenskleidung

>> in English

Heute startet zusammen mit der Fashion Revolution Week auch offiziell unsere Blogtour und ich freue mich sehr, daß den Anfang die Firma Lebenskleidung aus Berlin macht.

Die Entwicklung von Lebenskleidung beobachte ich fast von Anfang an und und ich habe schon viele Stoffe von ihnen vernäht, die du z.B. bei den Schnittmustern Yogaset Om oder dem Shirt Catrin bewundern kannst.

Zertifizierte Baumwollstoffe als Meterware

Lebenskleidung produziert Bio-Baumwollstoffe und bietet mittlerweile auch eine große Auswahl ihrer tollen, trendigen und gleichzeitig nachhaltig zertifizierten Stoffen als Meterware an. Du kannst die Stoffe nicht nur im Einzelhandel kaufen, sondern direkt online über den Webshop von Lebenskleidung.

Ich habe Benjamin Itter, der zusammen mit Enrico Rima und Christoph Malkowski 2009 Lebenskleidung gegründet hat ein paar Fragen gestellt und das Interview ist so spannend, daß ich gar keinen langen Vorspann schreiben möchte und gleich damit loslege.

Interview mit Benjamin Itter von Lebenskleidung

 

Lieber Benjamin, Du hast zusammen mit Enrico Rima und Christoph Malkowsk Lebenskleidung gegründet. Wie kam es dazu?

Hallo Silke. Vielen Dank für Deine Fragen. Das ist eine längere Geschichte und tatsächlich feiern wir in diesem Jahr unser 10-jähriges Bestehen. Wahnsinn. Ich führe dann einmal etwas länger aus und hoffe das ist ok so.

Die Anfänge

Angefangen hat tatsächlich alles mit ayurvedisch gefärbter Bettwäsche. Im Jahr 2006 haben Enrico und ich für ein Jahr im südindischen Kerala studiert. Das muss wohl Karma gewesen sein, denn hier in Indien ist die Idee zu Lebenskleidung entstanden. Wir waren insgesamt ein Jahr am Stück in Indien, ich habe später weitere zwei Jahre dort gelebt. Enrico hat Umweltwissenschaften und Geographie studiert, ich selbst Litereaturwissenschaften, Politik und Geographie. Wir waren dort extrem wissbegierig und haben vor allem die englischsprachigen Zeitungen verschlungen und sind viel gereist. Und dort sind wir zum ersten Mal mit den ganzen Problemen in Kontakt gekommen, die es vor allem auch in der Landwirtschaft in Indien gibt: Bauern vergiften sich auf ihren Feldern mit Pestiziden, begehen massenweise Selbstmord. Vor allem Baumwollbauern sind betroffen. Und da wollten wir mehr wissen. Und nach und nach wurden uns auch die Zusammenhänge der globalen Textilproduktion bewusst. Die Abhängigkeiten von Rohstoffpreisen, die globalen Schwankungen, die riesigen Mengen an Baumwolle, die im globalen Süden für den reichen Norden produziert werden. Und das war nicht alles: wir sehen dort verseuchte Flüsse, von den Abwässern der Färbereien und erfahren auch von der Ausbeutung von vor allem Frauen in den Nähbetrieben. Natürlich war die Zeit auch wunderschön und wir hatten super viele positive Erfahrungen in Indien. Aber zum ersten Mal in unserem Leben kommen wir eben auch mit Armut in Kontakt und auch mit der Frage unter welchen Bedingungen unsere Kleidung eigentlich produziert wird.

Ayurvedische Bettwäsche

Und irgendwie wollten wir damals schon etwas daran ändern, wussten aber nicht wirklich wie. Unser Auslandsstudium war irgendwann zu Ende. Enrico zieht es zurück nach Berlin. Ich bin in Indien geblieben, habe dort mit einem Freund eine Praktikumsvermittlung gegründet. In der Times of India habe ich an einem Tag einen Bericht über eine Pflanzenfärberei im Dschungel Keralas gelesen, die Stoffe und Kleidung nach alten ayurvedischen Prinzipien färbt. Das war unfassbar genial, denn die Stoffe haben sogar eine eine heilende Wirkung auf der Haut entfaltet. Davon habe ich wiederum Enrico und einem weiteren Freund erzählt und uns kam die Idee, wie cool es wäre aus den ayurvedisch gefärbten Stoffen Bettwäsche herzustellen. Das war eigentlich der Startschuss. Unser Name Lebenskleidung leitet sich aus dem Sanskrit-Wort Ayurvastra ab. Ayur bedeutet Leben und Vastra Kleidung. In Deutschland ist dann noch Christoph dazugekommen, der zu der Zeit im Abendstudium an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) studiert hat.

Gründung von Lebenskleidung

Und so haben im Jahr 2008 vier Jungs in einer Dachgeschosswohnung in Berlin gesessen und die Firma Lebenskleidung gegründet. Wir wollten am Anfang ayurvedisch gefärbte Bettwäsche in Deutschland bekannt machen. Dazu mussten wir noch den perfekten Stoff finden und zu Bettwäsche vernähen. Nach langer Suche haben wir dazu das Appachi Cotton Projekt in Tamil Nadu gefunden. Hier wird die Baumwolle so angebaut, wie wir es uns vorstellen: bio- dynamisch, gänzlich ohne Pestizide, in höchster Qualität und mit festen Abnahmepreisen für die Bauern. Und hier wurde ebenfalls nach fairen Prinzipien konfektioniert, d. h. genäht.
Und Ende 2008 kam schließlich die erste Lieferung der ayurvedischen Bettwäsche in Berlin an. Doch schnell wurde uns klar, dass die Welt nicht wirklich auf ayurvedisch gefärbte Bettwäsche gewartet hat. Aber es gibt eine andere interessante Erkenntnis, denn Menschen fragen uns auch, ob sie den tollen Stoff der Bettwäsche auch separat erwerben könnten.

Und der Zufall, oder wieder das Karma, spielt nun eine große Rolle. Ein Tipp einer Freundin gab uns den Hinweis auf eine weitere Pflanzenfärberei in Indien. In Gandhis Heimat Gujarat gibt es eine Färberei, die auch Handtücher und Stoffe pflanzlich färben und sogar bedrucken kann: Aura Herbal Wear. Und so haben wir in kurzer Zeit und nach einem weiteren Besuch in Indien unser Produktportfolio um Handtücher und zum ersten Mal auch Stoffe erweitert.

Gemeinsam mit Aura hatten wir einen Messestand auf der Biofach 2010 in Nürnberg. Und unser erster großer Kunde wurde der Waschbär Umweltversand und viele weitere Interessenten folgten, auch für die Stoffe. 2011 waren wir dann bei ZDF Neo zu sehen, wo die Gründer-Doku „Start me Up“ lief in der wir vorgestellt wurden. Und zum ersten mal wurden auch auch Stoffläden und Designer auf die pflanzlich gefärbten Stoffe aufmerksam. Aber es gab bald auch einen Haken.

Die Stoffe sind zwar wunderschön und 100% zertifiziert ökologisch, aber leider aufgrund der rein pflanzlichen Färbung auf Bio-Baumwolle nicht wirklich wasch- und farbecht und genügen nicht den hohen Ansprüchen der westeuropäischen Kunden. Das war eine sehr große Ernüchterung, die uns den weiteren Vertrieb von pflanzlich gefärbten Stoffen unmöglich gemacht hat, denn wir bekamen leider sehr viele Reklamationen.

Zur gleichen Zeit entstand in Berlin das Projekt „Made in Neukölln“ der Rütli-Schule, einer Schule im sozialen Brennpunkt in Berlin Neukölln, die gerade sehr im Blickpunkt der Medien war, weil dort unhaltbare Zustände herrschten. Es wurden ganz viele soziale Projekte dort gestartet. Eines davon war eben „Made in Neukölln“ in Kooperation mit der Modeproduktionsagentur Common Works. Die Idee von „Made in Neukölln“ war simpel, lokal in Berlin T- Shirts und Hoodies produzieren und auch dort bedrucken. Und dafür wurde GOTS-zertizierter Bio-Baumwolljerseystoffe in Schwarz und Weiß benötigt. Aufgrund unseres aufgebauten Netzwerkes in Indien konnten wir den liefern, und hatten sogar einen Lagerüberhang zur Verfügung.

100 % Transparenz

In der Zeit war in Berlin nachhaltige Mode gerade schwer im Kommen und die Menschen haben sich gefragt, woher ihre Kleidung eigentlich kommt. Viele weitere junge lokale Designer haben Interesse an unserer ersten Stofflieferung gezeigt. Zu dem Zeitpunkt haben wir aus einer kleinen Altbauwohnung in Berlin-Treptow heraus gearbeitet. In vielen schlaflosen Nächten haben wir unseren ersten Onlineshop aufgesetzt und die Materialbedürfnisse der Design-Community in den unseren ersten sogenannten Sammelbestellungen zusammen gefasst. Die Idee dahinter wiederum: Lebenskleidung sorgt für 100 % Transparenz, stellt die Nachverfolgbarkeit der Bio-Baumwolle sicher, regelt die Logistik und schafft bei vielen jungen Designer große Freude, da es endlich zertifizierte Materialien in kleinen Bestellmengen gibt. Wir haben viele Einzelbestellungen eines Stoffs zusammengefasst und dann mit unseren Partnern produziert.

Mit den darüber glücklichen Kunden sind ebenfalls die Herausforderungen gewachsen. Es folgen Nachbestellungen, aber die Mindestproduktionsmengen für die jeweiligen Stoffe konnten wir nur durch eben jene Sammelbestellungen erreichen. Und schnell wurde uns klar, dass wir in jedem Fall Lagerware für unsere Kunden vorhalten müssen, wenn wir wirklich Modelabel mit coolen Stoffen beliefern wollen und gemeinsam mit diesen wachsen wollen. Sonst funktioniert es nicht. Die Stoffe kommen zudem immer noch in der kleinen Einliegerwohnung, die aus allen Nähten platzt, an, werden komplett per Hand umgewickelt und von dort versendet. So ein bisschen die Geschichte aus der Garage, nur eben dass die Garage mit Stoffen vollgestopft ist. Zu der Zeit sind wir alle an unsere Grenzen gekommen. Und dann haben wir mit der GLS Bank, der weltweit ersten Bank zur Finanzierung nachhaltiger Unternehmen und Projekte, einen Partner gefunden, der unsere kleine Unternehmung unterstützt hat, um in ein richtiges Stofflager zu investieren. Ende 2011 wird es richtig spannend. Da sind wir nämlich in die heutigen Räumlichkeiten am Leuschnerdamm 13 in Berlin-Kreuzberg gezogen. Das ist auch schon wieder 7 Jahre her. Total verrückt wie schnell die Zeit vergeht.

Kannst Du uns von den Anfängen berichten? Wie habt Ihr Euer Netzwerk von Zulieferern und Produzenten aufgebaut? Das war sicher Pionierarbeit…?

Oh ja. Das war wirklich Pionierarbeit. Vor allem wurde man ja von den Textilbetrieben mit den Minibestellmengen die wir hatten nicht wirklich ernst genommen und mussten uns anfangs immer hinten anstellen, bis eine Maschine frei war. Gerade im Handel mit Indien war das nicht immer einfach. Außerdem mussten wir den Stoff für unsere Community immer komplett vorfinanzieren. Wir haben das komplette Risiko getragen und wenn etwas mit dem Stoff nicht gestimmt hat, sind wir darauf sitzen geblieben. Das war ein sehr großer Lernprozess für uns alle.

Pionierarbeit von der Pieke auf

Die Stoffbeschaffung aus Indien war bezüglich der Qualitätskontrolle und der Lieferzeit nicht wirklich zufriedenstellend. So haben wir neue Partner gesucht und die Perspektive richtete sich zuerst gen Türkei, wo wir einen bis heute mit uns arbeitenden Partner gefunden haben. Da sind wir sehr viel gereist, haben Baumwollfelder besucht, Strickereien, Webereien, Färberein. Tatsächlich von der Pieke auf. Immer mit dem ganz klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. Und nach einigen Disastern vor allem: Qualität, Qualität, Qualität. Grundlage der Partner war zuerst die Zertifizierung nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS). Aber das hat uns noch nie gereicht.

Wir wollten immer wissen mit wem wir arbeiten, wer die Leute dahinter sind, ob sie es ernst meinen mit den Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Qualität oder ob es denen nur ums Geld geht. Auch hier lernt man in all den Jahren sehr viel und es gab Höhen und Tiefen. Diese Erfahrung ist heute so super wertvoll. Denn wir nehmen ganz vielen Unternehmen heute den „Sourcing-Schmerz“ ab. Wir stehen hier in Deutschland für alles gerade was passiert. Lieferzeiten, Qualität, Zertifizierung. Da gibt es keine Abstriche. Unser Netzwerk ist immer weiter gewachsen und mittlerweile produzieren wir viele unserer Stoffe mit Familienunternehmen in Portugal. Aber wir arbeiten auch mit Partnern in Deutschland, Tschechien, Frankreich oder Belgien zusammen. Unser Sortiment wächst stetig und es macht uns großen Spaß, ganz neue Fasermischungen und Stoffe zu finden. Neu dazu ist nun auch Bio-Baumwolle aus einem Fair Trade Projekt in Uganda gekommen. In unserem Blog gibt es dazu in Kürze weitere Infos.

Ich finde in unserem Portfolio, das mittlerweile Johanna komplett plant, finden sich in jeder Saison immer coolere Stoffe. Und dazu in der höchstmöglichen zertifizierten Stoffqualität. Persönlicher Kontakt zu unseren Produzenten ist das A und O. Und in Westdeutschland haben wir einen starken Partner, der jeden angelieferten Meter Stoff nach internationalen Standards auf Masche und Faden prüft, so dass nur 1-A-Stoffe in höchster Qualität beim Kunden ankommen. Der Versand erfolgt schließlich auch aus einem externen Lager. Muster versenden wir aus Berlin.

Die Mode- bzw. textilverarbeitende Industrie gehört noch immer zu einer der im wahrsten Sinne dreckigsten mit teilweise prekären Bedingungen für die Arbeitnehmer. Trotz des Bewusstseins hat man das Gefühl, daß gerade die Billigmodeketten sich weiterhin großer Beliebtheit erfreuen. Was meinst Du wie man das Bewusstsein gerade von jugendlichen Konsumenten in Richtung eines nachhaltigeren Konsums beeinflussen könnte?

Ich glaube, dass gerade jugendliche ein sehr großes Gespür für Mißstände haben und genau wissen, was richtig und falsch ist. Vor allem spüre ich immer wieder sehr viel Empathie gegenüber den Menschen die in der Textilindustrie ausgebeutet werden. Wenn man aufklärt. Niemand möchte ja, dass andere Menschen leiden, wenn etwas hergestellt wird.

Die Verantwortung müssen die Unternehmen tragen

Die großen Ketten halten das natürlich bestmöglich unter Verschluss und spielen eine stylische, spaßige, individuelle Modewelt vor. Das dahinter heutzutage oft wahnwitzige Produktionsbedingungen herrschen, sieht man nicht. Doch das ist bei so vielen Dingen so. Ich finde man muss auch gerade mit Jugendlichen nicht so streng sein. Wie sollen sie denn in dieser reizüberfluteten Welt immer die moralisch richtigen Entscheidungen treffen? Wir Erwachsenen sollten dies doch tun. Und natürlich unsere Kinder aufklären und Ihnen zeigen wie es wirklich läuft. Aber die Verantwortung MÜSSEN die Unternehmen tragen. Sie sind es, die wir täglich ihren Greenwashing Lügen stellen müssen. Denen wir, wenn sie nicht sauber arbeiten dies immer wieder unter die Nase reiben müssen.

RankABrand ist ein guter Wegweiser dafür. Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass Unternehmen Menschen ausbeuten, dass es täglich Pestizidtote auf der ganzen Welt gibt, das komplette Ökosystem völlig zerstört werden, weil wir hier angeblich billige T-Shirts brauchen. Es gibt viele Alternativen. Im Fair Fashion Finder von GetChanged  findet man diese. Und es gibt so viele tolle Beispiel und so viele tolle Labels von nebenan, die super Arbeit leisten. Wenn sich große Modeketten bewegen, umso besser. Aber sie könnten viel, viel, viel mehr tun als jetzt.

Sie müssen verantworten was sie tun, und mit lockeren Werbesprüchen zu Nachhaltigkeit dürfen wir sie da nicht entlassen. Ich kenne die Flüßss in Indien. Ich kenne die Situation der Baumwollbauern. Mir ist der ganze Wahnsinn dieser Industrie bewußt und auch der Zynismus derer, die in dieser Industrie Kohle scheffeln. Und darum geht es den meisten einzig. Um Profitmaximierung, Shareholder Value, die üblichen Verdächtigen. Jeder soll von seiner Arbeit gut leben und auch Gewinne machen. Wenn diese jedoch Menschen und die Umwelt auf dem Gewissen haben, DÜRFEN wir das nicht hinnehmen. Und gleichzeitig sollten wir tolle positive Beispiele geben, wie cool und lässig fair und korrekt hergestellte Klamotten sein können.

Könnt Ihr über den Abverkauf Eurer Stoffe feststellen, daß das Bewusstsein im Wandel ist?

Ja. Eindeutig. Die Menschen möchten gern wissen, woher ihre Stoffe stammen. Und gerade wenn man näht und kreiert ist man doch auch ein haptischer Mensch. Wer täglich Stoff anfasst und damit arbeitet, dann weiß man auch Material zu schätzen, dass korrekt hergestellt wurde. Und für unsere Brands und Labels, die ja den Hauptteil unserer Kunden ausmachen ist vor allem auch eine sehr hohe Qualität extrem wichtig. Und da macht es einen Unterschied, ob ich die beste unbehandelte Bio-Baumwolle benutze, deren Garn gekämmt wurde oder sogar Kompaktgarn ist und für deren Färbung man die bestmöglichen Techniken nutzt. Eine Sauerstoffbleichung statt Chlor zu Beginn, natürliche Enzyme statt aggressive Weichmacher und vieles mehr. Nachhaltig ist nur, was Qualität hat und auch langlebig ist. Und so viele Menschen wissen das eben zu schätzen und gefühlt immer mehr. Das ist ganz toll zu sehen.

Ihr habt auch einen Online Shop für Hobbyschneiderinnen und beliefert den Stoffeinzelhandel. Hast Du das Gefühl, daß sich insbesondere Hobbyschneiderinnen der Nachhaltigkeit Ihres Hobbys bewußt sind und in der Folge dann auch mehr und mehr zu fair und ökologisch sauber produzierten Stoffen greifen?

Ja. Wie gesagt. Das Erleben, Befühlen und Arbeiten mit Stoff macht einem doch sehr bewußt, was es mit einem Material auf sich hat. Und es ist nunmal ein tolles Gefühl, wenn die eigene Kreation noch dazu mit Material hergestellt wurde, dass fair und ökologisch korrekt ist. Ich finde es so unfassbar cool, wenn ich die Kreationen sehe, die aus unseren Stoffen entstehen. Zum Beispiel in unserer Facebook Nähcommunity Gruppe.

Das tollste am Selbstnähen ist auch, dass Individualität in unsere Leben gesendet wird. Selbst wenn man nach einem Schnittmuster näht, macht man doch etwas für sich selbst und gibt jedem Teil seine eigene Note. Und jedes Teil, dass man selbst näht, muss man nicht von einer anonymen Modekette kaufen. Ich finde gerade auch die Ästhetik dahinter wichtig. Lasst uns unsere Innenstädte zurückerobern. Schönheit in die Welt senden. Der Monotonie der Kleidung da draußen ein Ende setzen. Suppport your local designer. Wie viel schöner ist es, wenn man auf eine Feier kommt und jeder der Gäste wirklich individuell gekleidet ist? Und noch dazu den Menschen, die die Baumwolle anbauen und Stoffe produzieren ein besseres Leben ermöglicht?

Was sind Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für Euer Unternehmen?

Die stetige Qualtiätskontrolle und auch die Logistik.

Was wäre für Dich eine Fashion Revolution?

Eine Fashion Revolution ist bereits im Gange. Wir Konsumenten stellen mehr und mehr die richtigen Fragen und das übt Druck auf diejenigen aus, die nicht sauber arbeiten und viel zu viel Kleidung auf den Markt werfen, die oft sogar verbrannt wird oder auf der Deponie landet obwohl sie mühsam unter großem Aufwand produziert wurde. Das ist doch Wahnsinn!

Eine Fashion Revolution beginnt mit jedem Modeschaffenden bei Dir zu Hause vor der Tür. Wenn man erfahren kann, wie genau produziert wird, mit welchen Materialien. Das ist eine Fashion Revolution. Da braucht man keine billigen Werbesprüche, sondern die Menschen hinter dem Produkt. Wir haben nur einen Planeten und wir sollten alle auf uns aufpassen.

Und da kann man den guten alten Kant zitieren: „„Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!“. Einfacher: „Was Du nicht willst was man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“. Wenn man so handelt, dann ist das wahrlich revolutionär, obwohl es doch so einfach ist.

Vielen Dank, Benjamin, für dieses tolle und engagierte Interview! Ihr seid mit Leib und Seele dabei und ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und Energie diese Idee weiter voranzubringen!

Unsere Tipps für dich Get Changed & Erlich Textil

GET CHANGED VEREIN FAIR FASHION NETWORK

Das Fair Fashion Network ist ein in der Schweiz eingetragener Verein, der zum Ziel hat, modebewusste und kritische KonsumentInnen über rund um das Thema Fair Fashion zu informieren und Interessengruppen zu vernetzen. Basis des Netzwerks ist der Fair Fashion Finder, der es Konsumentinnen und Konsumenten ermöglicht, faire Mode schnell und einfach finden. Zugleich schafft GET CHANGED! Transparenz zu den sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen der präsentierten Kollektionen.
Der Verein Fair Fashion Network steht für Unabhängigkeit, Glaubwürdigkeit sowie Transparenz und integriert diese Grundlagen in das unternehmerische Handeln. Seit Oktober 2014 wird www.getchanged.net über den Verein Fair Fashion Network verwaltet.

***

Erlich Textil 

wäsche & basics, die sich einfach besser anfühlen – und das in allen belangen.
Mit diesem Ziel vor Augen beginnen Sarah und Benjamin 2015 ihre Arbeit an einem Label für Wäscheprodukte. In Wochen von Materialkunde, Farben mustern, Knopfgravuren, Probetragen, Waschen und wieder Probetragen entstand die erste Kollektion nachhaltig produzierter Wäsche für Männer und Frauen.

erlich Textilien sind unaufgeregt zeitlos gestaltete und ins Detail zu Ende gedachte Wäscheprodukte mit zurückgenommenem Design und natürlichem Sexappeal. Sie sind durch ihre sehr hohe Qualität und ihr Design zeitlos und folgen keinen kurzfristigen Modetrends.

***

Das Floor Shirt von Kuyichi Pure Goods hat Thomas gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!